„Die Vorstandskolumne“ ist eine Rubrik, in der Sie aus der Perspektive eines GWP-Vorstandsmitglieds über relevante Themen aus dem Wassersektor informiert werden. Die 46. Ausgabe der Reihe übernimmt Dr.-Ing. Ursula Schließmann.

In der heutigen Zeit, in der Wasserknappheit aber auch ein plötzliches Wasserüberangebot durch Extremereignisse und Umweltverschmutzung zunehmend an Bedeutung gewinnen, spielt die Forschungspolitik eine entscheidende Rolle in der Wasserwirtschaft. Sie ist nicht nur der Motor für Innovationen und technologische Fortschritte, die eine effiziente Wasseraufbereitung und -verteilung ermöglichen, sondern auch ein entscheidendes Instrument für die Entwicklung nachhaltiger Praktiken.
Unternehmen wiederum tragen maßgeblich zur Innovationslandschaft bei und sind entscheidend für wirtschaftliches Wachstum und Fortschritt.
Angesichts der Herausforderungen des Klimawandels ist es darüber hinaus unerlässlich, wissenschaftliche Erkenntnisse zu nutzen, um den Einfluss auf unsere Wasserressourcen zu verstehen und geeignete Anpassungsstrategien zu formulieren. Die Forschung liefert wertvolle Daten, die zum Schutz unserer Wasserressourcen und zur Erhaltung der Biodiversität in Gewässern beitragen.
Eine evidenzbasierte Forschungspolitik trägt nicht nur zur fundierten Entscheidungsfindung in der Politik bei, sondern schärft auch das Bewusstsein der Öffentlichkeit für die Dringlichkeit von Wasserproblemen.
Der Koalitionsvertrag 2025 der Bundesregierung legt einen klaren Fokus auf Bildung, Forschung und Innovation, und einige der angesprochenen Punkte können mit wasserrelevanten Forschungsfragen und -politiken in Verbindung gebracht werden. Besonders zu beachten sind die Aussagen im Kontext der Klimaanpassung, der Wasserwirtschaft und der Infrastrukturpolitik:
Wasserstrategie: Der Koalitionsvertrag adressiert die Herausforderungen in der Wasserwirtschaft, die durch Klimawandel, Trockenheit, Wasserknappheit sowie Starkregenereignisse und Hochwasser entstehen. Es wird betont, dass priorisierte Maßnahmen der nationalen Wasserstrategie umgesetzt werden sollen.
Infrastruktur für Wasserversorgung und Abwasserentsorgung: Der Vertrag sieht eine Förderung der Infrastruktur für Wasserversorgung und Abwasserentsorgung vor. Dies deutet darauf hin, dass Investitionen in die Wasserinfrastruktur geplant sind, um diese langfristig preisstabil und bedarfsgerecht zu gestalten.
Unterstützung für Modellvorhaben und energieeffiziente Anlagen: Es wird erwähnt, dass Modellvorhaben und besonders energieeffiziente Anlagen unterstützt werden sollen, was auf eine Förderung von innovativen Technologien in der Wasserwirtschaft hindeutet.
Blau-grüne Infrastruktur: Die Förderung von blau-grüner Infrastruktur, die den Wasserrückhalt in der Fläche und die Grundwasserneubildung unterstützt, wird ebenfalls angesprochen. Dies ist ein wichtiger Aspekt im Hinblick auf nachhaltige Wasserbewirtschaftung und Klimaanpassung.
Bund-Länder-Gremium: Um notwendige länderübergreifende wasserwirtschaftliche Maßnahmen gegen Wassermangel für betroffene Flüsse vorzubereiten, wird die Einrichtung eines Bund-Länder-Gremiums angekündigt. Dies zeigt, dass eine koordinierte und strukturierte Herangehensweise an Wasserfragen geplant ist.
Die Erwähnung der nationalen Wasserstrategie im Koalitionsvertrag zeigt, dass das Thema Wasser in der politischen Agenda verankert ist und die Notwendigkeit von Forschung zur Entwicklung innovativer Lösungen anerkannt wird. Als Grundlage wird die zentrale Rolle von Bildung, Forschung und Innovation hervorgehoben. Dies sollte auch die Wasserforschung umfassen, insbesondere angesichts der zunehmenden Herausforderungen, die mit Wasserknappheit und -verschmutzung einhergehen. Der Koalitionsvertrag könnte jedoch klarere Maßnahmen zur Förderung spezifischer wasserbezogener Forschungsprojekte und zur Unterstützung von Hochschulen und Forschungseinrichtungen in diesem Bereich enthalten.
Der Vertrag spricht von der Notwendigkeit, sich an den Klimawandel anzupassen. Wasser ist ein Schlüsselthema in der Klimaforschung, da sich Veränderungen im Klima direkt auf Wasserressourcen auswirken. Die Förderung von blau-grüner Infrastruktur, die den Wasserrückhalt in der Fläche und die Grundwasserneubildung unterstützt, zeigt, dass die Regierung die Wechselwirkungen zwischen Wasser, Umwelt und Klima erkannt hat. Hier wäre es sinnvoll, spezifische Forschungsinitiativen zu fördern, die sich auf innovative Ansätze zur Wasserbewirtschaftung konzentrieren.
Die geplanten Investitionen in die Infrastruktur, zu der auch die Wasserversorgung und Abwasserentsorgung gehören, verdeutlichen die Priorität, die dem Thema Wasser eingeräumt wird. Eine robuste Infrastruktur ist entscheidend für die Sicherstellung der Wasserqualität und -verfügbarkeit. Hier könnte die Forschung eine zentrale Rolle spielen, indem neue Technologien zur Effizienzsteigerung und Ressourcenschonung entwickelt werden.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Koalitionsvertrag 2025 das Thema Wasser in einem breiteren Kontext von Klima- und Umweltpolitik behandelt. Es wird jedoch deutlich, dass eine spezifischere und intensivere Förderung der Wasserforschung und -technologien notwendig wäre, um den Herausforderungen der Wasserwirtschaft effektiv zu begegnen.
Hier setzt German Water Partnership (GWP) mit verschiedenen Formaten und Aktivitäten an, die sich nicht nur an die Wasserwirtschaft und die Forschung richten, sondern auch über Positionspapiere und zahlreiche Vernetzungsaktivitäten bis hinein in die Politik wirken. So wird eine Brücke zwischen konkreten Anwendungen in Forschung und Praxis und den Zielrichtungen der Politik gebaut.
Lösung komplexer Aufgaben durch intensive Vernetzung
Die in der Wasserwirtschaft zunehmend komplexer werdenden Aufgaben sowie die bestehenden sektoriellen Abhängigkeiten erfordern innovative Ansätze zur Vernetzung. Zur Vernetzung bietet German Water Partnership interdisziplinäre Arbeitskreise an, die Fachleute aus der Forschung bis hin zur technischen Implementierung zusammenbringen. Zudem wird die Netzwerkarbeit auch mit politischen Akteuren intensiviert, um einen umfassenden Dialog zu fördern. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der Blick auf internationale Bedarfe, der es ermöglicht, globale Herausforderungen in der Wasserwirtschaft zu identifizieren und gemeinsam Lösungen zu entwickeln.
GWP-Arbeitskreis Urbane Wasserresilienz

Der Arbeitskreis Urbane Wasserresilienz widmet sich intensiv systemischen Ansätzen, die nur durch interdisziplinäre Zusammenarbeit gelöst werden können. Dabei ist es entscheidend, Forschung, Unternehmen, Kommunen und Politik gleichermaßen einzubeziehen.
Der Arbeitskreis fokussiert sich auf die durch den Klimawandel verursachten Risiken wie Überschwemmungen und Wasserstress in städtischen Gebieten. Zentrale Ziele sind die Identifikation von Finanzierungsquellen, die Bildung von Konsortien für innovative Projekte und der Austausch bewährter Praktiken. Zudem wird eine aktive Vernetzung angestrebt, um den Einfluss auf politische Entscheidungen zu erhöhen. Wichtige Themen umfassen Stormwater-Management, Wassersicherheit, integrierte Stadtplanung, den Einsatz digitaler Tools sowie Capacity Building zur Stärkung der Fähigkeiten im Umgang mit wasserbezogenen Herausforderungen.
Werden Sie Mitglied dieses Netzwerks und gestalten Sie aktiv mit! Beteiligen Sie sich an unseren Regionalforen und Arbeitskreisen!
Mit herzlichen Grüßen,
Ursula Schließmann
