Von Marokko bis Saudi-Arabien: Investitionen in eine sichere Wasserversorgung für Menschen und Wirtschaft

Deutsche Lösungen für Nordafrika und Nahost

Nordafrika sowie der Nahe und Mittlere Osten (MENA-Region) zählen zu den wasserärmsten Regionen der Welt. Während knapp 6 % der Weltbevölkerung in den Ländern dieser Regionen leben, verfügen sie nur über rund 1 % der global verfügbaren erneuerbaren Süßwasserressourcen. Rapides Bevölkerungswachstum, steigender Wasserbedarf und klimatische Veränderungen setzen die ohnehin knappen Ressourcen weiter unter Druck.

Wüstenlandschaft in Ägypten © Unsplash

Die aktuellen Herausforderungen sind vor allem politischer Natur und auf Übernutzung der vorhandenen Wasserressourcen, unzureichende Wasserwiederverwendung und mangelnde Regulierungen von Wassernutzung und -verschmutzung zurückzuführen. Gleichzeitig verdeutlichen Extremwetterereignisse wie die verheerenden Überschwemmungen in Libyen im September 2023 oder die Starkregenfälle in Dubai im April 2024 den akuten Handlungsbedarf und machen klar: Es braucht dringend eine ressourcenschonende, resiliente und grenzüberschreitende Wasserinfrastruktur – und hier kann deutsche Expertise und Technologie einen entscheidenden Beitrag leisten.

Besonders attraktive Absatzmärkte für deutsche Unternehmen sind Marokko, Ägypten und Saudi-Arabien, da sie umfangreiche Pläne zur Modernisierung und zum Ausbau ihrer Wasserinfrastruktur verfolgen, starkes Bevölkerungswachstum verzeichnen und sich durch Reformbereitschaft sowie Offenheit für internationale Kooperationen auszeichnen. Entsprechend stehen sie im besonderen Fokus der Aktivitäten von German Water Partnership (GWP).

GWP vertieft Partnerschaften vor Ort

Teilnehmende des Regionalforums Nordafrika © GWP

Um die lokalen Bedarfe, Märkte und Rahmenbedingungen besser zu verstehen, bauen wir unsere Vernetzung vor Ort kontinuierlich aus. In der jüngsten Sitzung des Regionalforums Nordafrika am 11. September 2025 in Berlin konnten wir den Austausch mit der Botschaft der Arabischen Republik Ägypten, der Ghorfa Arab-German Chamber of Commerce and Industry sowie der KfW weiter vertiefen. Diese Kontakte sind ein wichtiger Baustein, um gemeinsam mit Partnern Lösungen für die dringendsten Wasser- und Infrastrukturfragen der Schwerpunktländer zu entwickeln.

Dr. Maha Zakaria, Leiterin des Wirtschafts- und Handelsbüros der ägyptischen Botschaft, stellte die aktuellen Rahmenbedingungen für Investitionen und Geschäftschancen in Ägypten vor, die durch eine Vorstellung des Nordafrika-Portfolios der KfW ergänzt wurde. Gemeinsam mit dem Generalssekretär Abdulaziz Al-Mikhlafi der Ghorfa diskutierten unsere Mitglieder die starke Bedeutung des Wassersektors in der Region. Die Ghorfa, mit Sitz in Berlin, ist die offizielle Vertretung der arabischen Industrie- und Handelskammern in Deutschland und veranstaltet jährlich das Arab-German Business Forum. Für die nächste Ausgabe vom 17. bis 19. Juni 2026 in Berlin plant GWP, sich mit seinen Mitgliedern einzubringen und Themen rund um Wasser und Abwasser in den Fokus zu rücken.

Marktanalyse Marokko: KfW präsentiert Potenziale im marokkanischen Wassersektor

Marokko hat sich durch seine strategisch günstige Lage zwischen Europa und Afrika, einer wachsenden Wirtschaft und umfangreichen Infrastrukturinvestitionen zu einem wichtigen Absatzmarkt und Logistikstandort entwickelt. Der Aufschwung der Automobilindustrie verdeutlicht dabei, wie eng wirtschaftliches Wachstum mit der Verfügbarkeit von Wasser als entscheidendem Produktionsfaktor verknüpft ist – in einem Land, das bereits heute unter knappen Wasserressourcen leidet. In der letzten Sitzung des Regionalforums Nordafrika zeigte die KfW auf, vor welchen konkreten wasserwirtschaftlichen Herausforderungen Marokko steht und in welche Lösungen aktuell investiert wird.

Der Schwerpunkt der finanziellen Zusammenarbeit in Marokko liegt vor allem auf der Klimaanpassung, worunter auch die Maßnahmen im Wassersektor fallen. Die Verfügbarkeit von Oberflächenwasser im Land nimmt stark ab und die Übernutzung der Grundwasserressourcen dient häufig zur Kompensation für Hauptnutzer in der Landwirtschaft, die etwa 80 % des marokkanischen Wasserverbrauchs ausmacht. Vor diesem Hintergrund gewinnen die Governance und Regulierung des Wassersektors an Bedeutung und zugleich setzt der Staat zunehmend auf alternative Wasserressourcen wie die Meerwasserentsalzung gekoppelt mit Photovoltaik oder anderen erneuerbaren Energien. Bis 2030 sollen rund 50 % der Trinkwasserversorgung über die Meerwasserentsalzung gesichert werden. Darüber hinaus zählen die Wiederverwendung von Abwasser, die Effizienzsteigerungen und der Aufbau von Wasserkreisläufen in Industrie, Landwirtschaft und Tourismus zu den zentralen Förderungsfeldern. Die Erfassung belastbarer Daten in Marokko ist aktuell schwierig, weshalb ein großer Bedarf an Monitoring besteht, um die sogenannte „Data Scarcity“ zu bekämpfen. Auch im Energiesektor eröffnen sich Synergien, etwa durch Wasserkraft, Pumpspeicherwerke und die Produktion von grünem Wasserstoff.

German-Egyptian Collaboration for Sustainable Water Solutions Forum 2025 in Kairo

Auch in Ägypten erfordern der Ausbau und die Modernisierung der Wasserinfrastruktur Investitionen in Milliardenhöhe. Mit mehr als 116 Millionen Menschen ist Ägypten das bevölkerungsreichste Land Nordafrikas sowie der arabischen Welt und verzeichnet den höchsten Wasserverbrauch pro Kopf im afrikanischen Ländervergleich. Als wichtigster Zielmarkt der deutschen Wasserwirtschaft in Afrika gilt Ägypten zudem als potenzieller Türöffner für weitere Länder auf dem Kontinent. Die Trinkwasserversorgung des Nil-Anrainers hängt fast vollständig vom längsten Fluss der Welt ab. Doch lange Dürreperioden und ein steigender Wasserbedarf führen zunehmend zu Engpässen. Bereits heute steht das Land mit nur 560 m³ Wasser pro Kopf und Jahr deutlich unter dem von den Vereinten Nationen (UN) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) definierten Schwellenwert für Wasserknappheit, die sich durch das anhaltende Bevölkerungswachstum und den Klimawandel weiter verschärfen wird. Zusätzlich sieht sich das Land durch den Anfang September in Betrieb genommenen Nil-Staudamm (Grand Ethiopian Renaissance Dam (GERD)) im Nachbarland Äthiopien bedroht:  Während sich dort das Nilwasser staut, wächst in Ägypten die Sorge um die eigene Wasserversorgung und politische Stabilität. Als Reaktion auf die vielschichtigen Herausforderungen investiert Ägypten in die Wiederverwendung von Abwasser, insbesondere für die Landwirtschaft, und baut zunehmend die Meerwasserentsalzung aus.

Vor diesem Hintergrund traf sich am 24. September 2025 die Wasserwirtschaft zum German-Egyptian Collaboration for Sustainable Water Solutions Forum 2025 in Kairo. Veranstaltet wurde das Forum von GWP in Zusammenarbeit mit der Deutsch-Arabischen Industrie- und Handelskammer (AHK Ägypten) sowie dem Wirtschaftsnetzwerk Afrika, ein Service von Germany Trade & Invest (GTAI), gefördert durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE). Es richtete sich an Unternehmen, Institutionen und Entscheidungsträger aus dem Bereich der deutschen und ägyptischen Wasserwirtschaft. GWP war gemeinsam mit 11 deutschen Mitgliedsunternehmen vor Ort, darunter Aerzener Maschinenfabrik GmbH, Rudolf Messner Umwelttechnik AG, Mitsubishi Electric Europe B.V., Tholander Ablufttechnik GmbH, bauku extrusion technology UG, Nivus GmbH, KSB SE & Co. KGaA, Vision Green Solutions GmbH, WTA Unisol GmbH, ARTAS UMWELTTECHNOLOGIE GmbH und Roediger Vacuum GmbH. Das Forum bot eine Plattform für den Austausch von Best Practices, die Vorstellung innovativer Technologien und die Förderung von Partnerschaften zwischen deutschen und ägyptischen Akteuren. Im Mittelpunkt standen praxisorientierte Lösungen für die Herausforderungen der Wasserknappheit und -verschmutzung in Ägypten. Eröffnet wurde die hochrangige Veranstaltung durch H.E. Prof. Dr. Hani Sewilam, Minister of Water Resources and Irrigation.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wird 1. bis 7. November 2025 in Begleitung einer Wirtschaftsdelegation mit einer Zwischenstation in Kairo nach Ghana und Angola reisen. Unternehmensvertreter:innen (Vorstandsmitglieder, Geschäftsführer:in, Inhaber:in), die interessiert sind, den Bundespräsidenten als Mitglied der Wirtschaftsdelegation zu begleiten, können über ein elektronisches Formular ihr Interesse bekunden.

Von Riad bis Dubai: Messepräsenz am German Pavilion

German Pavilion auf der Global Water Expo in Riad, Saudi-Arabien © GWP

Um deutsche Technologien und Lösungen für die wasserärmsten Regionen der Welt und lokalspezifische Herausforderungen zu präsentieren, war und ist GWP in diesem Jahr gemeinsam mit Mitgliedsunternehmen auf mehreren internationalen Messen am Gemeinschaftsstand „German Pavilion“ vertreten, der durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) gefördert wird. Den Auftakt in der Golfregion machte im zweiten Halbjahr die Global Water Expo 2025, die vom 2. bis 4. September in Riad, Saudi-Arabien, stattfand. Besonders im Kontext der saudischen Vision 2030 gewinnt der Standort an großer Bedeutung, da sie konkrete Ziele für den Ausbau nachhaltiger Wasser- und Infrastrukturprojekte formuliert. Zudem unterstreichen geplante Investitionen in wasserintensive Schlüsseltechnologien wie Künstliche Intelligenz (KI), wie wichtig eine sichere Wasserversorgung als Standortfaktor für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes ist. Aufgrund dieser Entwicklungen wird nächstes Jahr vom 26. bis 28. Januar 2026 erstmalig die IFAT Saudi Arabia stattfinden und die Global Water Expo ablösen. Die Anmeldung zum German Pavilion ist noch bis zum 19. Oktober 2025 offen.

Unsere Lösungen präsentieren wir aber auch noch bis Ende 2025 im Rahmen des German Pavilions auf internationalen Leitmessen wie der WETEX in Dubai vom 30. September bis 2. Oktober 2025 und der International Water, Waste & Infrastructure (IWWI) 23. bis 25. November 2025 in Kairo.

Außerdem laden wir Sie herzlich zur 6. Sitzung des Regionalforums Naher Osten zu Gast bei Roediger Vacuum GmbH am 13. November 2025 nach Hanau ein, um gemeinsam den Austausch der Wasserwirtschaft in diesen dynamischen Märkten der Region aktiv mitzugestalten.