No water, no business. Unter diesem Leitgedanken brachte die erste Handelsblatt Konferenz „Wirtschaftsfaktor Wasser“ am 24. und 25. Juni 2026 rund 200 Entscheiderinnen und Entscheider aus Industrie, Politik, Wissenschaft und Finanzwelt im Umweltforum Berlin zusammen. Mit dem neuen Veranstaltungsformat rückten das Handelsblatt und Initiativpartner German Water Partnership (GWP) die wirtschaftliche Bedeutung der Ressource Wasser in den Mittelpunkt einer Debatte, die bislang vor allem aus umwelt- und entwicklungspolitischer Perspektive geführt wurde.

Wasser wird zum Standortfaktor
Wasser ist Lebensgrundlage und Menschenrecht. Zugleich entwickelt es sich zunehmend zu einer strategischen Ressource für Wirtschaft und Geopolitik.
Wie eng Wasser und wirtschaftliche Entwicklung miteinander verknüpft sind, machte Saroj Kumar Jha, Global Director Water der Weltbank, in seiner Eröffnungskeynote deutlich. Ob Wasserknappheit, Überflutungen oder Verschmutzung – Wasser beeinflusse unmittelbar Produktivität, Beschäftigung und Investitionen. Ein neues Narrativ, das diese Zusammenhänge stärker in den Mittelpunkt rücke, könne dazu beitragen, die weltweit dringend benötigten Investitionen in den Wassersektor zu mobilisieren.
GWP setzt sich bereits seit Jahren dafür ein, Wasser stärker auf der wirtschafts- und außenpolitischen Agenda zu verankern. Dass die Arbeit Früchte trägt und dieser Perspektivwechsel inzwischen auch in Berlin und Brüssel angekommen ist, wurde auf der Konferenz deutlich.
Pernille Weiss-Ehler aus dem Kabinett von EU-Kommissarin Jessika Roswall stellte die europäische Wasserresilienzstrategie vor, mit der die Europäische Union den Aufbau einer wasserintelligenten Wirtschaft stärken will. Wie hoch der Handlungsdruck ist offenbarten Berechnungen der OECD: Bis 2030 würden Investitionen von rund 289 Milliarden US-Dollar in den europäischen Wassersektor benötigt. In vielen Mitgliedstaaten müssten die Ausgaben dafür um mindestens ein Viertel steigen.
Doppelte Chance für den Industriestandort Deutschland
Für Deutschland eröffnet diese Entwicklung nach Einschätzung von GWP-Vorstandsvorsitzendem Ingo Hannemann gleich zwei Chancen. Eine vorausschauende Wasser- und Infrastrukturpolitik kann Investitionen sichern, Wertschöpfung ermöglichen und die Resilienz des Industriestandorts stärken. Gleichzeitig treiben Klimawandel, Bevölkerungswachstum und der steigende Wasserbedarf der Industrie weltweit die Nachfrage nach Technologien zur Wasseraufbereitung, Wasserwiederverwendung und für ein effizientes Wassermanagement – Zukunftsfelder, in denen deutsche Unternehmen international gut aufgestellt sind.
Auch Bettina Hagedorn, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit, unterstrich Deutschlands Rolle als international gefragter Partner für Wasserlösungen.
Wasser gehört in den Businessplan
Inwiefern Wasser bereits heute in Unternehmensstrategien berücksichtigt wird und wo noch Handlungsbedarf besteht, zeigten Diskussionen mit Vertreterinnen und Vertretern aus Industrie und Finanzwirtschaft.
Wie real die Risiken bereits sind, zeigen sinkende Pegelstände des Rheins, die Flutkatastrophe in Pakistan, Einschränkungen am Panamakanal oder die Drosselung französischer Kernkraftwerke. Wasserkrisen wirken sich längst direkt auf globale Lieferketten und industrielle Produktion aus.
Besonders für wasserintensive Branchen wie Chemie, Pharma, Halbleiter, Batteriezell- und Wasserstoffproduktion sowie Rechenzentren wird die Ressource zu einem kritischen Produktions- und Standortfaktor. Entscheiderinnen und Entscheider von Wilo, Siemens, Evonik, Infineon und Volkswagen berichteten, dass Wasser inzwischen fester Bestandteil strategischer Unternehmensentscheidungen ist.

Neben den Herausforderungen wurden auch Lösungsansätze präsentiert. Edwin Locker von Herco Wassertechnik zeigte, wie industrielle Wasserwiederverwendung, geschlossene Kreislaufsysteme und innovative Kühltechnologien Wasserverbrauch und Energieeinsatz deutlich reduzieren können. Entscheidend sei nun, diese Technologien schneller zu skalieren und frühzeitig in Investitionsentscheidungen einzubeziehen.
Wasserrisiken werden zum Finanzrisiko
Ein weiterer Schwerpunkt der Konferenz war die finanzielle Dimension des Wassers. Solange Wasser jederzeit verfügbar erscheint, bleibt sein wirtschaftlicher Wert häufig unsichtbar. Sichtbar werden die Kosten erst dann, wenn Dürren, Überschwemmungen oder Nutzungskonflikte Produktionsausfälle verursachen.
Nach Angaben des Carbon Disclosure Project (CDP) stehen weltweit geschätzten Wasserrisiken in Höhe von rund 290 Milliarden Euro lediglich etwa 50 Milliarden Euro an Investitionen zur Risikominderung gegenüber. Investoren bewerten Wasserrisiken deshalb zunehmend als finanziell wesentlich. Gleichzeitig fehlt bislang ein international etablierter Standard zur Bewertung von Wasserwirkungen – anders als im Klimabereich. Corinna Wolf von Infineon brachte die Herausforderung auf den Punkt: „Wasser hat einen Wert, aber noch keinen Preis.“
Vom Risikofaktor zum Wettbewerbsvorteil
Die Premiere der Handelsblatt Konferenz hat gezeigt: Wasser wird nicht länger ausschließlich als Umwelt- oder Entwicklungsproblem diskutiert. Es entwickelt sich zum strategischen Faktor für Wettbewerbsfähigkeit, Investitionsentscheidungen und wirtschaftlicher Resilienz.
Ob Wasser künftig zum begrenzenden Faktor für Wachstum oder zum Enabler einer nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung wird, entscheidet sich daran, wie konsequent Politik, Wirtschaft und Finanzwelt jetzt handeln. Die erste Handelsblatt Konferenz „Wirtschaftsfaktor Wasser“ hat dafür einen wichtigen Impuls gesetzt – und den Grundstein für einen Dialog gelegt, der weit über die Wasserbranche hinausreicht.







