Zehn Konferenztage, zahlreiche Side Events, Delegationen aus nahezu allen Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen und Gespräche bis in die Abendstunden: Wer dieses Jahr das High-Level Political Forum on Sustainable Development (HLPF) in New York besuchte, bekam einen Eindruck davon, wie internationale Nachhaltigkeitspolitik entsteht. Ministerinnen und Minister, EU-Kommission, UN-Botschafterinnen und -Botschafter, Entwicklungsbanken, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Wirtschaft diskutierten gemeinsam darüber, wie die Agenda 2030 trotz zunehmender geopolitischer und wirtschaftlicher Herausforderungen noch erreicht werden kann.

Eine Botschaft zog sich dabei durch nahezu alle Debatten: Wasser ist kein einzelnes Nachhaltigkeitsthema – Wasser verbindet sie alle. Genau deshalb rückte das diesjährige HLPF das Nachhaltigkeitsziel SDG 6 „Sauberes Wasser und Sanitäreinrichtungen“ besonders in den Fokus. Zehn Jahre nach Verabschiedung der Agenda 2030 fiel die internationale Zwischenbilanz dabei ebenso ehrlich wie eindeutig aus: Es wurden wichtige Fortschritte erzielt, doch das Tempo reicht nicht aus, um die Ziele bis 2030 zu erreichen.
Für German Water Partnership nahm Geschäftsführer Boris Greifeneder als Teil der deutschen Delegation an den Beratungen teil. Die Teilnahme bot nicht nur Einblicke in die internationalen Prioritäten der kommenden Jahre, sondern machte auch deutlich, welche Rolle die deutsche Wasserwirtschaft künftig bei der Umsetzung globaler Nachhaltigkeitsziele spielen kann.
Wo internationale Prioritäten gesetzt werden
Anders als klassische Fachkonferenzen verabschiedet das HLPF keine technischen Standards und finanziert keine Projekte. Seine Bedeutung liegt an anderer Stelle: Hier verständigen sich Staaten und internationale Organisationen darauf, welche Themen auf der globalen Nachhaltigkeitsagenda künftig Priorität haben. Diese politischen Signale beeinflussen wiederum die Ausrichtung internationaler Förderprogramme, Entwicklungsbanken und multilateraler Kooperationen – und damit auch die Rahmenbedingungen, unter denen Unternehmen, kommunale Betreiber und Forschungseinrichtungen weltweit tätig werden.
In diesem Jahr stand SDG 6 im Mittelpunkt der Beratungen. Grundlage der Diskussionen war der aktuelle SDG 6 Synthesis Report 2026 von UN-Water. Seine Bilanz ist differenziert: In den vergangenen zehn Jahren haben Milliarden Menschen erstmals Zugang zu sicher verwaltetem Trinkwasser sowie zu Sanitär- und Hygienedienstleistungen erhalten. Die Wassernutzungseffizienz konnte verbessert und das integrierte Wasserressourcenmanagement in vielen Ländern ausgebaut werden. Gleichzeitig zeigt der Bericht unmissverständlich, dass die Fortschritte nicht ausreichen, um SDG 6 bis 2030 zu erreichen. Investitionen, institutioneller Kapazitätsaufbau und internationale Zusammenarbeit müssen deutlich beschleunigt werden.

Wasser als Voraussetzung für Resilienz und Wachstum
Bemerkenswert war, wie selbstverständlich Wasser inzwischen in größeren Zusammenhängen diskutiert wird. Kaum eine Debatte beschränkte sich auf Fragen der Wasserver- oder Abwasserentsorgung. Stattdessen wurde deutlich, dass Wasser zunehmend als Voraussetzung für wirtschaftliche Entwicklung, Ernährungssicherheit, Gesundheit, Energieversorgung, Klimaanpassung und resiliente Städte verstanden wird.
Unter dem gemeinsamen Narrativ „Resilience pays off“ setzte auch die deutsche Delegation einen klaren Schwerpunkt auf resiliente Infrastrukturen und langfristige Investitionen. Gleichzeitig bot das Forum zahlreiche Gelegenheiten zum Austausch mit internationalen Partnern und Vertreter der Bundesministerien.
Auffällig war zudem die starke Präsenz der internationalen Zivilgesellschaft, insbesondere des WASH-Sektors (Water, Sanitation and Hygiene). Weniger sichtbar war dagegen der Privatsektor. Dabei wurde in vielen Gesprächen deutlich, dass Unternehmen künftig eine noch wichtigere Rolle einnehmen sollen – nicht nur als Finanzierungsquelle, sondern vor allem als Innovationspartner, Technologieanbieter und Umsetzer konkreter Lösungen. Für die deutsche Wasserwirtschaft eröffnet sich hier die Chance, ihre Kompetenz künftig noch stärker in internationale Prozesse einzubringen.
Betreiberpartnerschaften: Zusammenarbeit, die Wirkung entfaltet
Dass nachhaltige Entwicklung mehr braucht als den Bau neuer Infrastruktur, war eine weitere zentrale Erkenntnis des Forums. Erfolgreiche Wasserprojekte entstehen dort, wo leistungsfähige Institutionen, qualifiziertes Personal und langfristige Kooperationen zusammenkommen.
Genau hier setzen die Betreiberpartnerschaften der Utility Platform an. Anders als klassische Entwicklungsprojekte stehen nicht einzelne Anlagen oder Technologien im Mittelpunkt, sondern der direkte Erfahrungsaustausch zwischen Wasserver- und Abwasserunternehmen. Kommunale Betreiber arbeiten über mehrere Jahre mit ihren internationalen Partnern zusammen, teilen ihr praktisches Know-how und unterstützen sie dabei, Betriebsabläufe, Organisationsstrukturen und Managementkompetenzen nachhaltig weiterzuentwickeln.
Dieser partnerschaftliche Ansatz entspricht genau dem Verständnis, das auch beim HLPF immer wieder betont wurde: Nachhaltige Entwicklung entsteht dort, wo Wissen geteilt, lokale Kapazitäten gestärkt und langfristige Beziehungen aufgebaut werden. Betreiberpartnerschaften leisten damit nicht nur einen konkreten Beitrag zur Umsetzung von SDG 6, sondern stärken zugleich die Widerstandsfähigkeit von Wasserinfrastrukturen weltweit.
Von New York nach Abu Dhabi – und darüber hinaus
Das HLPF markierte zugleich einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg zur UN Water Conference 2026, die im Dezember in den Vereinigten Arabischen Emiraten stattfindet. Dort soll es nicht mehr allein um politische Bekenntnisse gehen, sondern um konkrete Partnerschaften und gemeinsame Projekte. Der Zeitplan ist ambitioniert – entsprechend groß ist der Handlungsdruck.
Die vielleicht wichtigste Erkenntnis aus New York lautet deshalb nicht, dass Wasser eine globale Herausforderung ist. Das ist längst bekannt. Neu ist vielmehr, mit welcher Deutlichkeit Wasser heute als strategische Voraussetzung für Resilienz, wirtschaftliche Entwicklung und nachhaltiges Wachstum verstanden wird. Für die deutsche Wasserwirtschaft eröffnet diese Entwicklung neue Chancen, ihre technologische Kompetenz, ihre Erfahrung im Betrieb komplexer Infrastrukturen und ihre Innovationskraft international einzubringen.
German Water Partnership wird diesen Weg gemeinsam mit seinen Mitgliedern und Partnern weiter aktiv begleiten – als Netzwerk, das internationale Kooperationen fördert, Wissen verbindet und dazu beiträgt, aus politischen Zielen konkrete Lösungen entstehen zu lassen.
