Wenn aus Kontakten Chancen werden

Die deutsche Wasserwirtschaft hat international viel zu bieten. Technologien, Engineering-Kompetenz, Betriebserfahrung – daran mangelt es nicht. Und trotzdem begegnet uns in vielen Gesprächen immer wieder dieselbe Frage: Warum finden diese Kompetenzen noch zu selten ihren Weg in internationale Wasserprojekte – oder erst dann, wenn wesentliche Entscheidungen längst gefallen sind?

Vielleicht müssen wir deshalb weniger darüber sprechen, was Deutschland anbieten kann. Und stärker darüber, wann und wie wir dieses Angebot international einbringen.

Denn die entscheidenden Weichen eines Wasserprojekts werden häufig lange vor einer Ausschreibung gestellt. Wenn Länder ihre Prioritäten definieren. Wenn Investitionsbedarfe in Projekte übersetzt werden. Wenn Finanzierungsmodelle entstehen. Wenn darüber entschieden wird, welche technologischen und betrieblichen Ansätze verfolgt werden. Wer erst am Ende dieser Kette hinzukommt, kann anbieten. Wer früher beteiligt ist, kann mitgestalten.

Genau an dieser Stelle sehen wir eine wichtige Aufgabe für German Water Partnership (GWP): internationale Kontakte so zu entwickeln und Partner so zusammenzubringen, dass daraus konkrete Zugänge und Chancen für die deutsche Wasserwirtschaft entstehen.

 

Früher ansetzen, wo Projekte entstehen

In den vergangenen Monaten haben wir unsere Gespräche mit internationalen Partnern deshalb gezielt dort intensiviert, wo Bedarfe, politische Rahmenbedingungen, Finanzierung und Umsetzung zusammenkommen. Der September hat besonders deutlich gemacht, welches Potenzial darin liegt.

Mit der Weltbank und dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) diskutieren wir inzwischen nicht mehr allein darüber, wie der Privatsektor grundsätzlich stärker eingebunden werden kann. Am Beispiel von Tunesien und Marokko geht es bereits darum, Länderbedarfe, Investitionsmöglichkeiten und die Kompetenzen deutscher Unternehmen systematischer zusammenzuführen. GWP soll die Perspektive der Wirtschaft dabei frühzeitig einbringen – von vorhandener Markterfahrung über lokale Netzwerke bis zu konkreten Technologie- und Projektansätzen.

In Kasachstan verfolgen wir einen anderen Ansatz mit demselben Grundgedanken. Aus einem über zwei Jahre aufgebauten politischen Dialog entwickelt sich die Idee eines Kasachisch-Deutschen Wasserlabors: eines Ortes, an dem Lösungen nicht lediglich präsentiert, sondern unter den konkreten Bedingungen des Landes erprobt und bewertet werden können. Perspektivisch könnte daraus ein Water Technology Hub entstehen, der deutschen und kasachischen Akteuren dauerhaft Raum für Technologieaustausch, Training und Zusammenarbeit bietet.

Auch unsere neuen und vertieften Partnerschaften mit der Mohamed bin Zayed Water Initiative, der African Water Facility und weiteren internationalen Akteuren folgen letztlich dieser Logik: Netzwerke miteinander verbinden, Bedarfe früher sichtbar machen und Wege schaffen, über die aus deutscher Expertise konkrete internationale Anwendung werden kann.

Treffen von Boris Greifeneder, GWP-Geschäftsführer (4.v.li.), mit dem Präsidenten der Republik Kasachstan, Kassym-Jomart Tokayev © Akorda
Ayesha Al Ateeqi, Chief Executive Officer der Mohamed bin Zayed Water Initiative, und Marie-Ann Koch, Leitung Strategie und Kommunikation bei GWP, bei der Unterzeichnung des gemeinsamen MoUs © Thomas Geiger / Czybik & Schmid Media
Eine hochrangige Delegation der Afrikanischen Entwicklungsbankgruppe (AfDB) und der African Water Facility (AWF) zu Besuch in der Geschäftsstelle von GWP in Berlin, begleitet von Prof. Dr. Hani Sewilam, dem ägyptischen Minister für Wasserressourcen und Bewässerung © GWP

Entscheidend ist, was daraus entsteht

Dabei geht es nicht darum, möglichst viele neue Gesprächsformate zu schaffen. Im Gegenteil. Der Erfolg solcher Partnerschaften wird sich daran messen lassen müssen, was aus ihnen entsteht.

Werden aus Länderbedarfen konkrete Projektmöglichkeiten? Finden Unternehmen früher Zugang zu relevanten Informationen und Partnern? Können Finanzierung, Technologie und Betreiberwissen besser zusammengedacht werden? Entstehen daraus Projekte, in denen deutsche Unternehmen nicht nur einzelne Komponenten liefern, sondern stärker integrierte Lösungen anbieten und langfristig Verantwortung übernehmen?

Diese Fragen sind auch deshalb relevant, weil die deutsche Wasserwirtschaft trotz ihrer technologischen Kompetenz und jahrzehntelangen Betriebserfahrung in internationalen Großprojekten bislang vergleichsweise selten eine führende Rolle einnimmt.

 

Die Regionalforen als nächste Ebene

Das zu verändern, ist kein kurzfristiges Vorhaben. Und GWP wird internationale Projekte nicht selbst entwickeln oder finanzieren. Aber als Netzwerk und Plattform kann es dafür sorgen, dass die richtigen Akteure früher zusammenkommen: Unternehmen und Betreiber, politische Entscheidungsträger:innen, Finanzierungsinstitutionen und lokale Partner.

Dafür müssen die Gespräche auf internationaler und politischer Ebene innerhalb unseres Netzwerks weitergeführt und vertieft werden. Eine besondere Rolle kommt dabei unseren Regionalforen zu. Sie bieten den Raum, um identifizierte Bedarfe und Projektansätze gemeinsam mit unseren Mitgliedern weiterzuverfolgen und gezielt diejenigen Akteure einzubeziehen, die für die Entwicklung und Umsetzung vor Ort entscheidend sind – von Planern und Ingenieurbüros über lokale Partner bis hin zu den Technischen Sachverständigen (TSV) der KfW und weiteren relevanten Akteuren aus Finanzierung und Projektentwicklung.

Denn aus einem hochrangigen Kontakt allein entsteht noch keine Chance. Entscheidend ist, was anschließend daraus gemacht wird: relevante Akteure gezielt in die Gremienarbeit einbeziehen, Informationen und Marktkenntnis zusammenführen, Kontakte verstetigen und gemeinsam mit unseren Mitgliedern ausloten, wo konkrete Kooperationen und Projekte entstehen können.

 

Türen öffnen – und gemeinsam hindurchgehen

Vielleicht ist genau das die entscheidende Weiterentwicklung unserer Rolle als internationales Netzwerk: nicht nur Türen zu öffnen, sondern dafür zu sorgen, dass unsere Mitglieder früh genug durch diese Türen gehen können.

Die Gespräche und Partnerschaften der vergangenen Wochen schaffen dafür neue Möglichkeiten. Jetzt beginnt der wichtigere Teil: sie gemeinsam mit unseren Mitgliedern weiterzuentwickeln und zu nutzen.

 

Jetzt sind Sie gefragt: Sie sind in einem unserer internationalen Märkte aktiv, kennen relevante Akteure vor Ort oder bringen Erfahrungen aus konkreten Projekten mit? Dann bringen Sie diese Perspektive in unsere Regionalforen ein. Gemeinsam wollen wir die neu entstandenen und vertieften Kontakte weiterentwickeln, relevante Partner einbeziehen und ausloten, wo daraus konkrete Kooperationen und Projektchancen für unser Netzwerk entstehen können. Sprechen Sie uns an – wir freuen uns auf Ihre Erfahrungen, Kontakte und Ihr Engagement.