Wasser ist kein Selbstläufer — aber Deutschland hat Antworten

„Die Vorstandskolumne“ beleuchtet aktuelle Entwicklungen im Wassersektor aus Sicht eines GWP-Vorstandsmitglieds. Die 54. Ausgabe verantwortet Georg Huber.

Georg Huber, GWP-Vorstandsmitglied

Ich werde manchmal gefragt, warum ich mich ehrenamtlich bei German Water Partnership (GWP) engagiere. Schließlich bin ich Unternehmer und kein Lobbyist. Meine Antwort ist einfach: Weil ich überzeugt bin, dass Deutschland in der Wasserwirtschaft über Kompetenzen verfügt, die weltweit gebraucht werden. Und weil wir als Branche noch viel zu selten selbstbewusst darüber sprechen.

Ganz persönlich profitierte ich ebenfalls von diesem Netzwerk. Der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen aus Unternehmen, Wissenschaft und Praxis eröffnet immer wieder neue Perspektiven auf dieselben Herausforderungen. Genau darin liegt für mich der Wert von GWP.

Wasser wird unterschätzt — bis es zu spät ist

Internationaler begegnet mir immer wieder dasselbe Muster: Wasser ist lange kein Thema — bis es plötzlich das wichtigste ist. Eine Dürre bringt Produktionsprozesse ins Stocken. Ein Hochwasser unterbricht Lieferketten. Neue regulatorische Anforderungen treffen Unternehmen unvorbereitet, weil Wasser kaum strategisch betrachtet wurde. Bereits heute leben 1,8 Milliarden Menschen in Regionen mit Wasserstress. Klimawandel, Urbanisierung und Bevölkerungswachstum verschärfen diese Entwicklung Jahr für Jahr.

Wasser ist deshalb längst kein reines Umweltthema mehr. Es ist Produktionsfaktor, Standortfaktor und Wettbewerbsfaktor. Auch Deutschland wird sich dieser Realität nicht entziehen können – spätestens dann, wenn Wasserknappheit oder Extremwetterereignisse unmittelbar wirtschaftliche Auswirkungen haben.

Die stille Stärke der deutschen Wasserwirtschaft

Was mich an der deutschen Wasserwirtschaft immer wieder beeindruckt, ist ihre Stärke bei gleichzeitiger Bescheidenheit. Wir verfügen über weltweit führende Unternehmen – von Komponentenherstellern bis zu Anbietern digitaler Prozesssteuerung. Unsere Forschungslandschaft entwickelt die Lösungen von morgen. Und unsere kommunalen Wasserver- und Abwasserentsorger zeigen seit Jahrzehnten, wie zuverlässige Daseinsvorsorge auch unter anspruchsvollen Bedingungen funktioniert.

Darauf können wir stolz sein.

Was uns allerdings häufig fehlt, ist die Sichtbarkeit. Wir kommunizieren unsere Leistungsfähigkeit noch zu selten – und oft nur innerhalb der eigenen Branche.

Genau hier setzt GWP an. Als Netzwerk der international ausgerichteten deutschen Wasserwirtschaft bringt es rund 300 Mitglieder zusammen – von Hochschulen und Forschungseinrichtungen über Planungsbüros und kommunale Unternehmen bis hin zu weltweit tätigen Technologieanbietern. Dieser Austausch stärkt nicht nur die internationale Sichtbarkeit unserer Branche, sondern schafft auch neue Kooperationen und Marktchancen.

Warum die Handelsblatt-Konferenz ein wichtiges Signal war

Ende Juni haben wir als GWP bewusst einen neuen Weg eingeschlagen. Aus unserer Jahreskonferenz wurde erstmals die Handelsblatt Konferenz „Wirtschaftsfaktor Wasser“, bei der GWP als Initiativpartner mitgewirkt hat. Zwei Tage lang wurde darüber diskutiert, welche Rolle Wasser für wirtschaftliche Entwicklung, industrielle Produktion, Investitionsentscheidungen und resiliente Lieferketten spielt. Genau dort gehört die Debatte hin.

Besonders beschäftigt hat mich dabei ein Gedanke: Über Energiesicherheit, Energiepreise und Energieabhängigkeit sprechen wir längst selbstverständlich. Wasser wird dagegen noch viel zu selten als strategischer Faktor betrachtet. Ich bin überzeugt, dass sich das ändern wird. Die Frage ist nicht, ob Wasser zu einem wirtschaftspolitischen Schlüsselthema wird – sondern wann.

Unternehmen, die sich schon heute mit ihrer Wasserresilienz beschäftigen, verschaffen sich einen echten Wettbewerbsvorteil. Wer erst handelt, wenn Wasser zu Engpass wird oder regulatorischer Druck entsteht, wird wertvolle Zeit verloren haben.

Gemeinsam besser aufgestellt

Gerade deshalb sind starke Netzwerk heute wichtiger denn je. Die Herausforderungen rund um Wasser lassen sich nicht isoliert lösen. Sie verlangen nach Austausch zwischen Unternehmen, Wissenschaft, Politik und kommunaler Praxis. Genau diesen Austausch ermöglicht GWP.

Die Handelsblatt Konferenz hat gezeigt, wie groß das Interesse an diesem Dialog inzwischen ist – weit über die Wasserbranche hinaus. Das ist eine Entwicklung, die Mut macht. Denn sie zeigt: Wasser bekommt endlich die Aufmerksamkeit, die seiner strategischen Bedeutung entspricht.

Und genau jetzt ist der richtige Zeitpunkt, diesen Weg gemeinsam weiterzugehen.