„Die Vorstandskolumne“ beleuchtet aktuelle Entwicklungen im Wassersektor aus Sicht eines GWP-Vorstandsmitglieds. Die 53. Ausgabe verantwortet Prof. Dr. Sven-Uwe Geißen.

Für mich begann das Jahr mit einer Reihe intensiver Projektreisen, die wertvolle Einblicke in die Dynamik internationaler Wassermärkte ermöglichten. Dabei wurde eines besonders deutlich: Die globalen Herausforderungen im Wassersektor bleiben hoch – ebenso wie die Chancen für bewährte Lösungen „Made in Germany“.
Jahresauftakt in Riad: Chancen im saudischen Wassersektor
Den Auftakt bildete Ende Januar die IFAT Saudi Arabia in Riad. German Water Partnership (GWP) war mit einem eigenen Stand im German Pavilion vertreten und gestaltete das Rahmenprogramm mit einer Paneldiskussion aktiv mit.
Der saudische Wassermarkt befindet sich bereits auf einem beachtlichen Entwicklungsniveau und wird weiter wachsen – wenn auch weniger dynamisch als ursprünglich prognostiziert. Zentrale Themen sind Abwasserbehandlung, Recycling, Bewässerung und Entsalzung. Zunehmend gefragt sind zudem Lösungen zur Reduzierung des Wasserverbrauchs, etwa durch Grauwasserrecycling.
Eine entscheidende Voraussetzung für den Markteintritt bleibt die Zusammenarbeit mit lokalen Partnern. Nach der erfolgreichen Premiere planen viele GWP-Mitglieder ihre erneute Teilnahme im kommenden Jahr.

Zwischen Bergbau und kommunaler Wasserwirtschaft: Marktentwicklung in Lateinamerika
Im Anschluss führte mich ein Projekt zur Reduzierung des Wasserbedarfs bei der Lithiumextraktion nach Chile. Gemeinsam mit dem „Instituto Nacional de Litio y Salares“ konnten potenzielle Standorte für eine Demonstrationsanlage identifiziert werden.
Trotz eines erheblichen Bedarfs entlang der gesamten Wasserwertschöpfungskette im Bergbau – von Entsalzung über Transport bis hin zu Aufbereitung und Recycling – sind bislang nur wenige GWP-Mitglieder in diesem Bereich aktiv. Dabei bietet gerade der Bergbau aufgrund hoher Qualitätsanforderungen deutlich attraktivere Marktbedingungen als der weitgehend privatisierte kommunale und industrielle Sektor.
In Brasilien standen Gespräche mit deutschen Alumni sowie institutionellen Partnern im Mittelpunkt. Neben Großprojekten rücken zunehmend mittelgroße und kleinere Städte in den Fokus. Die Marktentwicklung verläuft jedoch langsamer als im Zuge der Privatisierung erwartet. Auch hier zeigt sich: Erfolgreiche Projekte erfordern belastbare lokale Netzwerke und fundierte Beratungsstrukturen.

Wachstumsmärkte in Nordafrika: Sanierung und Wasserrecycling im Trend
Tunesien bestätigt den Trend hin zu nachhaltigen und resilienten Wassersystemen. Ein Workshop in Sfax, organisiert im Rahmen eines DAAD-geförderten Projekts, brachte im April tunesische und deutsche Partner aus Wissenschaft und Wirtschaft zusammen.
Dabei wurde deutlich: Neben Neubauten gewinnt insbesondere die Sanierung bestehender Anlagen im kommunalen Sektor an Bedeutung. Internationale Geber wie die KfW treiben diese Entwicklung aktiv voran. Eine begleitende Konferenz zeigte zudem den klaren Trend hin zu Wasserrecycling bis hin zu „Zero Liquid Discharge“ in der Industrie.
Nach den erfolgreichen „4. Tunisian-German Water Days“ bieten auch die „5. Tunisian-German Water Days“ im November 2026 erneut eine wichtige Plattform für Markteinblicke und Geschäftsanbahnung.

Ein weiteres Projekt zur nachhaltigen dezentralen Meerwasserentsalzung führte mich nach Kairo. Während der ägyptische Markt für viele GWP-Mitglieder bereits etabliert ist, entstehen neue Potenziale – insbesondere im industriellen Wasserrecycling. Diese Entwicklung wird derzeit vor allem von international tätigen, exportorientierten Unternehmen getragen.
Gleichzeitig eröffnen Großprojekte wie das Bewässerungsvorhaben „Western Desert“ und die touristische Entwicklung der „North Coast“ zusätzliche Marktchancen.
Die International Water, Waste and Infrastructure (IWWI) im Rahmen der Cairo Water Week im Oktober 2026 bietet hierfür eine geeignete Plattform, um bestehende Aktivitäten weiter auszubauen.
Zwischen Innovation und Wettbewerbsdruck: Herausforderungen im chinesischen Wassermarkt

In China setzte die IE expo China 2026 in Shanghai neue Impulse. Mit rund 2.000 Ausstellenden unterstrich sie ihre Rolle als eine der wichtigsten Messen für Umwelttechnologien in Asien. Neben dem deutschen Gemeinschaftsstand, auf dem GWP vertreten war, präsentierten sich zudem mehrere Mitglieder mit eigenen Ständen.
Auffällig ist die deutliche qualitative Weiterentwicklung chinesischer Anbieter. Gleichzeitig erhöhen rückläufige Investitionen im Umweltsektor den Wettbewerbsdruck. Chancen bestehen weiterhin insbesondere in der Optimierung, Modernisierung und im Neubau von Anlagen – vor allem in Zusammenarbeit mit staatlichen Institutionen.
Gleichzeitig bleibt festzuhalten: Die Sichtbarkeit von GWP im chinesischen Markt ist weiterhin ausbaufähig.
Exportchancen für das GWP-Netzwerk
Alle betrachteten Märkte bieten erhebliche Potenziale – erfordern jedoch differenzierte Strategien. Entscheidend sind eine kontinuierliche Präsenz vor Ort, belastbare lokale Netzwerke sowie eine langfristige Marktbearbeitung.
Konkrete Geschäftsmöglichkeiten bieten die anstehenden, von GWP unterstützten Delegationsreisen im Rahmen des Markterschließungsprogramms des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie:
- 21.-25. September | Leistungsschau Mexiko
- 04.-08. Oktober | Leistungsschau Saudi-Arabien
- 09.-11. November | Leistungsschau Tunesien
- 16.-20. November | Geschäftsanbahnung Vietnam
Mein Appell: Nutzen Sie das GWP-Netzwerk aktiv und bringen Sie sich in den Austausch ein. Gerade in einem zunehmend komplexen internationalen Umfeld mit sich schnell verändernden Rahmenbedingungen liegt unsere Stärke in der Zusammenarbeit. Gemeinsam können wir die sich bietenden Chancen erfolgreich erschließen.
Für weiterführende Informationen stehe ich Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung.
