Wissensaustausch – eine nationale und internationale Aufgabe gleichermaßen | Die Vorstandskolumne

„Die Vorstandskolumne“ ist eine Rubrik, in der Sie aus der Perspektive eines GWP-Vorstandsmitglieds über relevante Themen aus dem Wassersektor informiert werden. Die 49. Ausgabe der Reihe übernimmt Dr. Gesa Kutschera.

Dr. Gesa Kutschera, GWP-Vorstandsmitglied

Mitarbeitergewinnung in Zeiten des Fachkräftemangels, die Suche nach Auszubildenden oder einer passenden Unternehmensnachfolge, Weiterbildung und -entwicklung von Fach- und Führungskräften, Transformation und Digitalisierung – all das sind Herausforderungen, die uns tagtäglich beschäftigen und die nicht geringer werden. Um sie zu meistern, benötigen wir engagierte und wissbegierige Mitarbeitende, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und Wissen zu teilen. Ein Blick in unser Unternehmen zeigt: unser Team wird immer multikultureller und der Blick in die Zukunft lässt erwarten, dass diese Entwicklung gleichermaßen oder sogar verstärkt voranschreitet. Dem Wissensaustausch wird somit eine immer größere Bedeutung zuteil. Nur wenn wir voneinander lernen, wird uns die Bewältigung der anstehenden Aufgaben in der Wasserwirtschaft lokal und global gelingen.

Und genau an dieser Stelle setzten die Betreiberpartnerschaften an, die vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gefördert werden und ausdrücklich gewünscht sind. Betreiberpartnerschaften (engl. Water Operators’ Partnerships, WOPs) sind nicht-kommerzielle Kooperationen zwischen zwei oder mehr Wasserversorgern und/oder Abwasserbetrieben, meist zwischen einem deutschen kommunalen Unternehmen und einem Betreiber in einem Entwicklungs- oder Schwellenland. Die Ziele sind unter anderem der Kompetenzaufbau bei den Partnern, Verbesserung der Wasserver- und Abwasserentsorgung sowie die Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen (UN) – insbesondere SDG 6 „Sauberes Wasser und Sanitärversorgung“. Die Zusammenarbeit erfolgt auf Augenhöhe im Peer-to-Peer-Ansatz: Fachkräfte tauschen Wissen und Erfahrungen direkt aus (z. B. Ingenieur:in zu Ingenieur:in, Techniker:in zu Techniker:in). Und wir in Deutschland profitieren natürlich auch: Mitarbeitende erweitern ihr Fachwissen, gewinnen interkulturelle Kompetenz, übernehmen Verantwortung über ihren Arbeitsalltag hinaus und erleben sinnstiftende Projekte. Das steigert die Motivation und Loyalität und macht kommunale Unternehmen attraktiv für Fachkräfte und Nachwuchs.

Dr. Gesa Kutschera und GWP-Geschäftsführer Boris Greifeneder beim Treffen der deutschen und sambischen Partner der Betreiberplattform in Lusaka, Sambia

Die Betreiberpartnerschaften sind im Gegensatz zu Entwicklungshilfeprojekten langfristig angelegt. Aktuell befinden wir uns in der zweiten Phase, weitere Verlängerungen sind in Aussicht gestellt.

Neben dem Wissensaustausch innerhalb der Betreiberplattform besteht darüber hinaus alle zwei Jahre die Möglichkeit, noch weiter über den Tellerrand zu blicken: beim GWOPA-Kongress, der von UN-Habitat über die Global Water Operators’ Partnerships Alliance (GWOPA) organisiert wird und im Oktober in Bonn stattfand. Der Kongress ist die wichtigste Zusammenkunft innerhalb der UN für das Thema Wasser- und Sanitärversorgung. Er bringt Betreiber, lokale und nationale Regierungen, Entwicklungspartner und Interessengruppen zusammen, um Wissen auszutauschen, Maßnahmen anzustoßen, Unterstützung für WOPs zu mobilisieren und die Kapazitäten zur Erreichung der Nachhaltigkeitsziele zu stärken. Es ist jedes Jahr schön zu sehen, wie sich so viele Menschen aus allen Teilen der Erde für die globale Wasserwirtschaft engagieren!

Zum Schluss möchte ich noch auf eine neue Initiative von German Water Partnership (GWP) hinweisen. Wir alle merken, dass es immer wichtiger wird, junge Nachwuchskräfte für die Wasserwirtschaft zu begeistern und ihnen die Potenziale unserer Branche aufzuzeigen. Wir sind überzeugt, dass wir hieran arbeiten und eine Plattform für junge Fachkräfte der internationalen Wasserwirtschaft schaffen müssen, um ihnen attraktive Möglichkeiten zur Vernetzung und Mitgestaltung zu bieten. Daher planen wir in enger Abstimmung mit anderen Wasserverbänden zur IFAT Munich 2026 die Gründung eines neuen Formats, das gezielt junge Menschen aus unserer Branche anspricht und unser bestehendes Netzwerk um frische Impulse erweitert. An alle, die sich angesprochen fühlen oder an jemanden denken, der mitmachen könnte: Auf der GWP-Website werden wir bald weitere Infos veröffentlichen. Also gerne weitersagen!

Beste Grüße und bis bald – spätestens auf der IFAT!