
Bereits in der Einleitung unseres Newsletters habe ich betont, wie zentral es aus meiner Sicht ist, Wasser stärker in den Fokus zentraler Politikfelder zu rücken. Anfang dieser Woche bin ich der Einladung des Water Innovation Circle (WIC) von DVGW und DWA in die Landesvertretung Hamburg gefolgt. In den Vorträgen – aber auch in den Gesprächen am Rande der Veranstaltung – stand ein Thema besonders im Mittelpunkt: der Nexus Wasser-Wachstum, konkret Wasser als relevanter Produktionsfaktor.
Auch in den Gesprächen mit Vertreter:innen der Bundesregierung wurde deutlich, wie sehr die Aufmerksamkeit steigt, wenn die Verfügbarkeit von Wasser mit Begriffen wie wirtschaftlicher Resilienz oder gar als Voraussetzung für Wachstum verknüpft wird. Wasser wird dann nicht mehr allein als Umwelt- oder Sozialthema wahrgenommen, sondern auch als strategischer Faktor für Wettbewerbsfähigkeit und Standortpolitik.
Über die vergangenen Jahrzehnte wurde Wasser im politischen Diskurs vor allem im Kontext der Trinkwasserver- und Abwasserentsorgung betrachtet, zunehmend auch im Zusammenhang und Umgang mit Starkwetterereignissen. Das gilt national wie international und insbesondere in der Entwicklungszusammenarbeit. Diese Perspektive ist wichtig, greift jedoch zu kurz.
Ich glaube, es ist Zeit, unser Narrativ rund um das Erreichen von SDG 6, dem Zugang zu einer sauberen und sicheren Wasser- und Sanitärversorgung für alle Menschen, zu erweitern. Und zwar um den Blick auf Wasser als Produktionsfaktor, dessen verlässliche Verfügbarkeit eine Grundvoraussetzung für wirtschaftliche Entwicklung ist. Diesen Ansatz haben wir in diesem Jahr erprobt und werden ihn im kommenden Jahr gezielt weiter ausbauen. Denn in der Praxis zeigt sich immer wieder: Gerade gegenüber staatlichen Akteuren im Ausland ist es häufig schwierig den Business Case größerer Investitionen in hochwertige deutsche Technologien darzulegen, wenn es um die Trinkwasserver- und Abwasserentsorgung geht. Wenn es jedoch darum geht, den Standort zu stärken, Zukunftstechnologien wie Halbleiter-, Batteriezellproduktion oder Rechenzentren anzusiedeln, ist der Case schnell da.
Bei aller Offenheit für neue Ansätze gilt jedoch: Das eine darf nicht gegen das andere ausgespielt werden. Unsere Motivation, gemeinsam mit Partnern wie der GIZ, der KfW sowie den vielen engagierten NGOs am Erreichen von SDG 6 zu arbeiten, ist ungebremst. Druck auf das Thema bekommen wir in Zukunft aber nach meiner Überzeugung über einen anderen Weg: It’s the economy, stupid – auch beim Wasser.
