Die sechste Sitzung des Arbeitskreises Landwirtschaftliche Bewässerung legte ihren Fokus auf die Vorstellung der BMU-geförderten Markt- und Branchenstudie zur landwirtschaftlichen Bewässerung in Deutschland. Neben einer Einführung in die Erkenntnisse der Studie durch die AutorInnen Lucas Schimming (ideas into energy GmbH) und Hanna Sand (GWP) vermittelte Elke Immik vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Rheinpfalz den Teilnehmenden spannende Einblicke in die Herausforderungen der Bewässerung von Obstbäumen in Rheinland-Pfalz. Auch Maßnahmenfahrpläne für die Länder Frankreich, Ägypten und Usbekistan wurden präsentiert.
Vorstellung der Studie „Landwirtschaftliche Bewässerung in Deutschland“
Eingeleitet wurde die Sitzung am 08. Oktober durch die Präsentation der Ergebnisse der Branchenstudie „Landwirtschaftliche Bewässerung in Deutschland“. Die Arbeit dient als eine Übersichtstudie zur Faktenlage der Bewässerung in Deutschland und setzt sich exemplarisch mit den Ländern Hessen, Brandenburg und Rheinland-Pfalz auseinander. Das Projekt entstand im Zuge einer Kooperation zwischen der ideas into energy GmbH und GWP. Es wurde gefördert durch die „Exportinitiative Umwelttechnologien“ des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit.
Neben Marktanalysen und -einschätzungen spielen für die Studie insbesondere Ressourcenmanagement und der erhöhte Verbrauch von Wasser zur Versorgung der wachsenden Bevölkerung eine wichtige Rolle.
„Deutschland nutzt nur rund ein Prozent des jährlich entnommenen Frischwassers für die landwirtschaftliche Bewässerung. Das ist extrem wenig. Trotzdem haben wir Wasserstress, der regional, abhängig von den Wasserressourcen, sehr divers ist“, erklärt Lucas Schimming. Die Gründe dafür seien unterschiedlich und reichen vom schlechten Zustand deutscher Oberflächengewässer bis zu der geringen Grundwasserneubildung – Variablen, die den Umgang mit der Problematik zusätzlich erschweren. Als weiteres Hindernis zeigen sich starke Unterschiede zwischen den Bundesländern und verschiedenen Regionen.
Die AutorInnen unterstreichen deshalb die Relevanz regionalspezifischer Lösungen. Es müsse insbesondere in der Entwicklung und in der Kommunikation mit NutzerInnen eng zusammengearbeitet werden, um innovative Lösungen zu schaffen und zu implementieren, sagt Hanna Sand (GWP): „Für die aktuellen Bewässerungsprobleme braucht man moderne Lösungen – LandwirtInnen müssen überzeugt werden, dass es sich lohnt, in diese zu investieren.“
Die Studie wird voraussichtlich ab Anfang November über die GWP-Webseite zum Download zur Verfügung stehen.
Bewässerung im Obstbau in Rheinland-Pfalz
Ein konkretes Beispiel über regionale Herausforderungen und Chancen in der landwirtschaftlichen Bewässerung teilte Elke Immik in ihrer Präsentation über Obstanbau in Rheinland-Pfalz und die Einsatzbereiche von Bewässerung in diesem Gebiet. Durch die klimatischen Entwicklungen ist die Notwendigkeit einer Zusatzbewässerung im Obstanbau gestiegen und umfasst nun alle Kulturen. Während derzeit noch knapp 50 % der Obstbauflächen in Rheinland-Pfalz nicht bewässerungsfähig sind, wird die Ausweitung einer Infrastruktur hier angestrebt. Auch wenn die Wasserbedarfszahlen im Obstbau eher gering einzustufen sind, ist die Wasserbeschaffung je nach Gebiet eine große Herausforderung und es zeichnet sich ab, dass die Situation sich aufgrund der Wasserknappheit und durch Interessenskonflikte in der Zukunft weiter zuspitzen wird.
Das verlangt unweigerlich nach nachhaltigen, effizienteren Konzepten der Wasserbeschaffung und Bewässerung, wobei auch ehemals unpopuläre Ansätze, wie die Nutzung von Brauchwasser, zunehmend in Erwägung gezogen werden. Noch, so führt Elke Immik aus, stehe man dem aber kritisch gegenüber: „Solange wir anderes Wasser bekommen können, ist Brauchwasser kein Thema – das kann sich in Zukunft ändern, aber solange wir nicht über Studien verfügen, was die Auswirkungen auf unsere Kulturen sind, sind wir in diesem Aspekt zurückhaltend.“
Maßnahmenfahrpläne Frankreich, Ägypten und Usbekistan
Die Sitzung schloss mit Vorstellung der Maßnahmenfahrpläne Frankreich, Ägypten und Usbekistan. Diese fokussieren sich auf die Exportförderung von KMU, welche Lösungen für landwirtschaftliche Bewässerung für den internationalen Einsatz entwickeln.
Insgesamt wurden die regionalen Unterschiede zwischen den Ländern hervorgehoben. So werden in Ägypten etwa Anbieter moderner Bewässerungstechnologien benötigt, welche Wasserverluste durch Verdunstung verringern, während in Usbekistan unter anderem dringend Technologien zum Bewässerungsmonitoring gebraucht werden. Frankreich hingegen hat maßgeblich Bedarf im Bereich Digitalisierung.
Die in der Sitzung vorgestellten Präsentationen stehen Mitgliedern im Download-Bereich zur Verfügung. Sie interessieren sich für das Thema Landwirtschaftliche Bewässerung? Dann schauen Sie doch mal bei unserem Arbeitskreis vorbei. Die nächste Sitzung ist für das Frühjahr 2022 geplant. Für etwaige Fragen steht Ihnen Hanna Sand von der GWP-Geschäftsstelle gerne zur Verfügung.
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