Digitale Lösungen und neue Strategien für die Wasserwirtschaft: GWP-Arbeitskreise setzen Impulse

Wie können digitale Technologien die Wasserwirtschaft voranbringen? Und welche strategischen Herausforderungen entstehen an der Schnittstelle von Wasser und Energie? Mit diesen Fragen beschäftigten sich die Arbeitskreise Digital Water sowie Wasser und Energie von German Water Partnership (GWP) bei ihren Sitzungen im Oktober. Im Mittelpunkt standen praxisnahe Innovationen, gemeinsame Handlungsfelder und die zukünftige Ausrichtung der Netzwerkarbeit.

Digital Water: Vom Messwert zur Entscheidung

Am 1. Oktober 2026 traf sich der Arbeitskreis Digital Water zu seiner 21. Sitzung bei Diehl Metering in Nürnberg. Es war die erste Sitzung unter der neuen Gremienleitung von Stefan Räder (Diehl Metering) und seinem Stellvertreter Dr. Sebastian Stolzenberg (Watergenics). Damit wurde die im Frühjahr angestoßene Neuausrichtung des Arbeitskreises auch inhaltlich fortgesetzt.

Im Fokus stand die Frage, wie Daten, digitale Technologien und intelligente Vernetzung zu einer effizienteren, sichereren und nachhaltigeren Wasserwirtschaft beitragen können.

Dr. Martin Wagner vom TZW: DVGW-Technologiezentrum Wasser beleuchtete die Herausforderungen der Digitalisierung und stellte mit SHAPTH einen Ansatz für den standardisierten Datenaustausch im Bereich der Trinkwasserhygiene vor. Die anschließende Diskussion verdeutlichte, wie wichtig einheitliche Datenformate und Bezeichnungen für die Vergleichbarkeit und übergreifende Nutzung von Messergebnissen sind – beispielsweise bei Gewässeruntersuchungen über Bundeslandgrenzen hinweg.

Dr. Viktoriya Tarasyuk vom Institut für nachhaltige Wassersysteme der Hochschule Hof präsentierte den „Digital-Lotse Wasser“. Die Plattform soll bestehende digitale Lösungen sichtbarer machen, Doppelentwicklungen vermeiden und Unternehmen neue Möglichkeiten zur Vernetzung und Geschäftsanbahnung eröffnen.

Wie aus Messdaten konkrete Anwendungen werden, erlebten die Teilnehmenden anschließend beim praxisorientierten Workshop „Der Weg der Daten“ des Diehl Metering Campus. Entlang der Datenkette – von der Erfassung im Feld bis zur Nutzung in digitalen Anwendungen – erhielten sie Einblicke in die Technologien und Prozesse hinter Smart Metering. Eine Unternehmensvorstellung und die Besichtigung der Elektronikproduktion rundeten das Programm ab.

Die gewonnenen Erkenntnisse fließen in die weitere Arbeit des Arbeitskreises ein. Zu den Schwerpunkten zählen insbesondere Datenstandards, Systemintegration, Predictive Maintenance und der Einsatz Künstlicher Intelligenz in der Wasserwirtschaft.

Wasser und Energie: Strategische Herausforderungen gemeinsam angehen

Welche Wasser- und Energiefragen werden für Unternehmen in den kommenden fünf Jahren entscheidend? Und wo können Kooperationen innerhalb des GWP-Netzwerks neue Lösungsansätze eröffnen?

Diese Fragen prägten die 26. Sitzung des Arbeitskreises Wasser und Energie am 12. Oktober 2026, die im digitalen Format stattfand. Im Mittelpunkt standen die strategische Ausrichtung des Arbeitskreises, zukünftige Herausforderungen an der Schnittstelle beider Sektoren und die Entwicklung gemeinsamer Aktivitäten für 2027.

Bereits im Vorfeld waren die Mitglieder eingeladen, ihre Einschätzungen zu künftigen Herausforderungen sowie ihren Bedarf an fachlichem Austausch, Unterstützung und neuen Partnerschaften einzubringen. Die Rückmeldungen bildeten die Grundlage für die gemeinsame Diskussion.

In seinem strategischen Impuls „Wasser x Energie 2035“ griff der stellvertretende Gremienleiter Jan Koppe (MolAquaTech) diese Perspektiven auf. Er bündelte zentrale Bedarfe der Unternehmen und zeigte auf, welche Chancen sich daraus für die Wasserwirtschaft und die weitere Arbeit des Arbeitskreises ergeben.

Einen konkreten Einblick in die Praxis gab anschließend Dipl.-Ing. Kerstin Krömer von der Industriewasserversorgungsgesellschaft Nordwest-Niedersachsen (iwag). Sie stellte Strategien des Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbands (OOWV) vor, mit denen alternative Wasserressourcen für industrielle Anwendungen erschlossen und Grundwasservorkommen langfristig geschützt werden sollen. Deutlich wurde dabei, wie eng Ressourcenschutz, industrielle Wasserversorgung und Energieeffizienz miteinander verbunden sind.

Zum Abschluss richteten die Mitglieder den Blick auf die Agenda 2027. Gemeinsam identifizierten sie relevante Themen, diskutierten neue Projektideen und mögliche Ansätze für eine vertiefte Zusammenarbeit innerhalb des Netzwerks.

Fachwissen bündeln, Zusammenarbeit voranbringen

Beide Sitzungen verdeutlichen, welchen Beitrag die GWP-Arbeitskreise zur Weiterentwicklung der Wasserwirtschaft leisten: Sie bringen unterschiedliche Perspektiven aus Unternehmen, Forschung und Praxis zusammen, ermöglichen den Austausch über technologische und strategische Entwicklungen und schaffen Anknüpfungspunkte für gemeinsame Aktivitäten.

Ob durch die intelligente Nutzung von Daten oder die Entwicklung ressourcenschonender Lösungen an der Schnittstelle von Wasser und Energie – entscheidend ist, Fachwissen in konkrete Anwendungen und Kooperationen zu übersetzen. Genau hier setzen die Arbeitskreise von German Water Partnership an.