Sauberes Trinkwasser und eine verlässliche Sanitärversorgung sind grundlegende Menschenrechte – und zugleich zentrale Voraussetzungen für nachhaltige Entwicklung, wirtschaftliche Stabilität und soziale Teilhabe. Der diesjährige Weltwassertag am 22. März 2026 der Vereinten Nationen stand unter dem Motto „Where water flows, equality grows“ und rückte damit die Bedeutung von Geschlechtergerechtigkeit im Kontext der Wasser- und Sanitärversorgung in den Fokus.

Wo Wasser knapp ist, wächst Ungleichheit
Wasserknappheit verstärkt bestehende Ungleichheiten. Weltweit haben mehr als eine Milliarde Frauen – rund 27,1 % – keinen sicheren Zugang zu sauberem Trinkwasser (UN Women/UNDESA, 2023). Das sind mehr Frauen, als Menschen in Europa leben. Gerade in Regionen mit eingeschränkter Wasserversorgung sind in zwei von drei Haushalten Frauen hauptverantwortlich für die Wasserbeschaffung (WHO/UNICEF, 2023): In 53 Ländern, in denen Daten vorliegen, investieren Frauen und Mädchen täglich zusammen rund 250 Millionen Stunden in das Wasserholen – mehr als dreimal so viel Zeit wie Männer und Jungen (UN Women/UNDESA, 2024). Diese enorme Belastung geht zulasten von Bildung, Einkommen und gesellschaftlicher Teilhabe.
Für den internationalen Wassersektor ergibt sich daraus ein klarer Handlungsauftrag: Technische Lösungen und Governance-Ansätze müssen soziale Dimensionen stärker berücksichtigen und gezielt auf Geschlechtergerechtigkeit ausgerichtet werden. Fehlender Zugang zu einer sicheren Wasser- und Sanitärversorgung gefährdet nicht nur die Gesundheit, sondern verstärkt auch strukturelle Benachteiligungen. Gleichzeitig sind Frauen in Entscheidungsprozessen rund um das Wassermanagement nach wie vor unterrepräsentiert. Das bremst Fortschritte hin zu einer gerechten Versorgung und wirkt sich auf mehrere Nachhaltigkeitsziele aus – insbesondere auf Geschlechtergleichheit (SDG 5) sowie sauberes Wasser und Sanitäreinrichtungen (SDG 6), aber auch auf Armutsbekämpfung (SDG 1), Ernährungssicherheit (SDG 2), Gesundheit (SDG 3), Bildung (SDG 4) und nachhaltiges Wirtschaftswachstum (SDG 8).
GAPWAS: Partnerschaften als Hebel für strukturelle Veränderung
Ein zentraler Hebel für mehr Gleichberechtigung liegt in der stärkeren Einbindung von Frauen im Wassersektor – sei es in Politik, Wissenschaft oder technischen Berufen. Wie gezielte Förderung und internationale Zusammenarbeit hier Wirkung entfalten können, zeigt die German-African Partnership for Water and Sanitation (GAPWAS) von German Water Partnership (GWP) und der African Water and Sanitation Association (AfWASA): Zwischen 2022 und 2025 nahmen 747 Fachkräfte an dem vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung geförderten Programm teil, davon 51 % Frauen.
Das Programm verdeutlicht, wie strategische Partnerschaften nicht nur Fachkräfte qualifizieren, sondern auch strukturelle Veränderungen im Wassersektor anstoßen können. Auch auf dem 6. Global Water Operators‘ Partnerships (WOPs) Congress im Oktober 2025 in Bonn setzte GAPWAS mit der Session „How Diverse Teams Drive Progress – Advancing SDG 6“ ein klares Zeichen: Geschlechterausgewogene und diverse Teams sind ein entscheidender Erfolgsfaktor für eine nachhaltige, resiliente und gerechte Wasser- und Sanitärversorgung. Als Netzwerk der deutschen Wasserwirtschaft bringt GWP seine Expertise gezielt in solche internationalen Kooperationen ein und stärkt den Austausch zwischen Akteuren aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft.
Handlungsbedarf im deutschen Wassersektor
Doch auch im deutschen Wassersektor besteht Handlungsbedarf. Zwar bestehen hierzulande kaum Unterschiede beim Zugang zu Wasser, doch die Branche ist – wie viele technische Bereiche – weiterhin männlich dominiert. Besonders in technischen Berufen und Führungspositionen sind Frauen unterrepräsentiert.
Mit einem Frauenanteil von rund 82 % in der Geschäftsstelle zeigt GWP, dass Geschlechtervielfalt in Organisationen des Wassersektors aktiv gestaltet werden kann. Gleichzeitig wird deutlich, dass auch im eigenen Netzwerk weiterer Entwicklungsbedarf besteht: Im Vorstand liegt der Frauenanteil derzeit bei rund 36 %. In den Gremienleitungen der Regionalforen sind etwa 31 % der Positionen von Frauen besetzt, in den Arbeitskreisen hingegen lediglich rund 8 %. Diese Zahlen unterstreichen,dass eine ausgewogene Beteiligung von Frauen in Führungs- und Entscheidungsgremien weiterhin eine zentrale Aufgabe bleibt.
Gemeinsam für eine gerechte Wasserzukunft
Auf dem Weg zu mehr Geschlechtergerechtigkeit im Sinne des Weltwassertagsmottos „Where water flows, equality grows“ ist gemeinsames Engagement gefragt – global wie national, von Frauen ebenso wie von Männern als aktive Verbündete. Entscheidend ist, bestehende Strukturen gezielt zu verändern, Mädchen frühzeitig für den Wassersektor zu begeistern, Frauen konsequent zu fördern und ihre Perspektiven systematisch in Entscheidungsprozesse einzubringen – in Unternehmen, Verbänden und internationalen Kooperationen gleichermaßen.
in Unternehmen, Verbänden und internationalen Kooperationen gleichermaßen. Denn nur wenn alle Menschen gleichermaßen Zugang zu einer sicheren Wasser- und Sanitärversorgung haben und gleichberechtigt am Wassermanagement beteiligt sind, kann nachhaltige Entwicklung gelingen – als Grundlage für nachhaltige Lösungen, von denen alle profitieren.
