Rechenzentrumsstrategie: Wasser muss jetzt systematischer Teil der Umsetzung werden

Berlin, 19. März 2026 Die Bundesregierung hat gestern ihre Rechenzentrumsstrategie beschlossen. Damit will sie den Ausbau digitaler Infrastruktur in Deutschland vorantreiben. Ziel ist es unter anderem, die Rechenkapazitäten bis 2030 mindestens zu verdoppeln. Der Faktor Wasser als entscheidende Standortressource findet dabei jedoch bislang zu wenig Beachtung.

German Water Partnership (GWP) begrüßt die strategische Auseinandersetzung mit den Rahmenbedingungen für den Ausbau Deutschlands als Rechenzentrumsstandort in Europa ausdrücklich. Aus Sicht der Wasserwirtschaft ist es dabei entscheidend, Wasser bei der Umsetzung der Strategie konsequent als zentralen Standortfaktor zu berücksichtigen.

„Mit der nun getroffenen Entscheidung setzt die Bundesregierung ein wichtiges Signal für den Digitalstandort Deutschland“, sagt Ingo Hannemann, Vorstandsvorsitzender von GWP. „Jetzt kommt es darauf an, die Strategie ganzheitlich umzusetzen – und dabei Wasser von Anfang an systematisch mitzudenken.“

Wasser bislang nur randständig berücksichtigt

Die Strategie adressiert zentrale Themen wie Energieversorgung, Flächenverfügbarkeit und technologische Souveränität. Aspekte der Wasserverfügbarkeit und des Wasserbedarfs sowie weiterer klimabedingter Wasserrisiken werden hingegen bislang nur punktuell behandelt, etwa im Kontext von Kühlsystemen.

Die Mitglieder von GWP, darunter u.a. Betreiberunternehmen und Technologieanbieter, sehen hier Nachbesserungsbedarf – insbesondere angesichts der dynamischen Entwicklung im Bereich Künstliche Intelligenz (KI) und Rechenzentren.

Globale Perspektive: Kühlbedarf trifft auf Klimarisiken

Mit dem weltweiten Ausbau von Rechenzentren steigt der Bedarf an Kühlung deutlich. Internationale Analysen zeigen, dass dieser Trend durch den zunehmenden Einsatz von KI zusätzlich verstärkt wird.

Zugleich weisen Studien wie der „2025 Global Data Centre Physical Climate Risk and Adaptation Report“ darauf hin, dass Rechenzentren weltweit zunehmend von klimabedingten Risiken betroffen sind – darunter steigende Temperaturen, Wasserstress und Extremwetterereignisse. Diese Entwicklungen erhöhen den Kühlbedarf und verschärfen gleichzeitig die Anforderungen an eine sichere und nachhaltige Wasserversorgung.

Exportpotenziale für deutsche Wasserwirtschaft

Die Potenziale für neue Exportmärkte, die sich daraus für die international agierende deutsche Wasserwirtschaft ergeben, sind vielversprechend. Eine politische Flankierung von Technologie und Prozesswissen deutscher Anbieter und wissenschaftlicher Institutionen stärkt Deutschlands Anspruch als Lösungsanbieter für die strategische Ressource Wasser.

Umsetzung jetzt strategisch verzahnen

Vor diesem Hintergrund unterstreicht GWP die Bedeutung eines integrierten Ansatzes in der weiteren Umsetzung der Strategie. Fragen der Wasserverfügbarkeit werden künftig eine größere Rolle bei Standortentscheidungen spielen, ebenso wie die enge Verzahnung mit Energie- und Infrastrukturaspekten. Gleichzeitig gewinnen innovative, ressourcenschonende Kühltechnologien weiter an Bedeutung – nicht zuletzt, um steigende Anforderungen mit nachhaltigen Lösungen in Einklang zu bringen.

„Rechenzentren konkurrieren künftig nicht nur um Energie und Flächen, sondern auch um Wasser“, so Hannemann. „Gerade unter den Bedingungen des Klimawandels wäre es fahrlässig, diesen Faktor nicht gleichrangig mitzudenken.“

Wasserwirtschaft als Umsetzungspartner

Die deutsche Wasserwirtschaft verfügt über umfassende Erfahrung in der nachhaltigen Nutzung und dem Management von Wasserressourcen sowie über innovative Technologien für industrielle Anwendungen. Dazu zählen insbesondere Konzepte zur Steigerung der Wasser- und Energieeffizienz, die Nutzung alternativer Wasserquellen wie Brauch- oder Regenwasser sowie geschlossene Kreislaufsysteme. Auch der Einsatz digitaler und KI-gestützter Steuerungssysteme eröffnet zusätzliche Potenziale für einen ressourcenschonenden Betrieb von Rechenzentren.

GWP bietet der Bundesregierung an, diese Expertise aktiv in die nächsten Umsetzungsschritte einzubringen.

„Die Strategie ist ein wichtiger Startpunkt“, betont Hannemann. „Damit Deutschland langfristig ein attraktiver und resilienter Standort für digitale Infrastruktur bleibt, muss Wasser jetzt integraler Bestandteil der weiteren Maßnahmen werden.“


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Über German Water Partnership e.V. (GWP)

GWP setzt sich mit seinen rund 300 Mitgliedern – vom Hochschulinstitut über zahlreiche kleine und mittlere Unternehmen bis hin zu kommunalen Betreibern und weltweit vertretenen Komponentenherstellern – seit 2008 für die Lösung von wasser- und abwasserwirtschaftlichen Herausforderungen weltweit ein. Internationale Partnerschaften spielen dabei eine besondere Rolle. Durch engen Austausch und Wissenstransfer zu nachhaltigen Technologien trägt GWP ganzheitlich zur Verbesserung der globalen Wasserver- und Abwasserentsorgung bei und setzt erfolgreich Projekte um. Der Verband wird dabei von den Bundesministerien für Wirtschaft, Umwelt, Bildung und Forschung, wirtschaftliche Zusammenarbeit sowie dem Auswärtigen Amt unterstützt.


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