„Die Vorstandskolumne“ ist eine Rubrik, in der Sie aus der Perspektive eines GWP-Vorstandsmitglieds über relevante Themen aus dem Wassersektor informiert werden. Die 51. Ausgabe der Reihe übernimmt Alexandra Ervenich.

2025 war kein Jahr, das sich einfach in die Chronik einfügt – es war international geprägt von geopolitischen und wirtschaftlichen Verschiebungen, die weit über diplomatische Ereignisse hinausgingen. Vieles, was als stabil galt, wurde infrage gestellt. Und während sich die Weltordnung spürbar veränderte, bewegten sich auch persönliche Lebenswege: Manche suchten berufliche Veränderung, andere mussten Gewohntes loslassen, wieder andere entdeckten neue Freiräume.
Auch für mich persönlich stand das vergangene Jahr im Zeichen einer grundlegenden Veränderung. Im Rahmen einer Vorruhestandsregelung habe ich meine aktive Laufbahn bei Mitsubishi Electric beendet, bleibe jedoch dem Unternehmen, für das ich mehr als 30 Jahre lang in verschiedenen Funktionen gearbeitet habe, auch künftig eng verbunden. Mitsubishi Electric verfolgt weiterhin konsequent eine Zukunftsstrategie, die kontinuierliche technologische Innovation, digitale Transformation und Nachhaltigkeit zusammendenkt – zur Verwirklichung einer dynamischen und nachhaltigen Gesellschaft.
Es ist ein besonderer Moment, wenn der Kalender plötzlich nicht mehr vorgibt, was als Nächstes kommt. Wenn man feststellt, dass Zeit nicht länger ein knappes Gut ist, sondern ein Raum, der sinnvoll gefüllt werden will. Und in diesem Raum stellt sich zwangsläufig die Frage: Womit will ich mich künftig wirklich beschäftigen?
Für mich war die Antwort eindeutig: mit Wasser!
2025 hat uns deutlicher denn je vor Augen geführt, wie fragil unser hydrologisches Gleichgewicht geworden ist. Extreme Dürren, Starkregen und überforderte Infrastrukturen waren nicht mehr nur Warnsignale – sie waren Ausdruck eines globalen Systems, das seine Belastungsgrenze überschritten hat. Und damit rückt ein Begriff ins Zentrum, den unser diesmonatiger Leitartikel ausführlich beleuchtet und der nicht länger als übertrieben gilt: Global Water Bankruptcy.
Der im Januar 2026 veröffentlichte Report des United Nations University Institute for Water, Environment and Health (UNU-IWEH) zeichnet ein klares Bild: Wir leben weltweit über unsere hydrologischen Verhältnisse – und anders als bei finanziellen Schulden ist verlorenes Wasserkapital kaum wieder aufzubauen. Die Diagnose ist unbequem, aber notwendig.
Vor diesem Hintergrund gewinnt die UN Water Conference vom 2. bis 4. Dezember 2026 in den Vereinigten Arabischen Emiraten besondere Bedeutung. Sie wird ein Prüfstein dafür, ob internationale Politik bereit ist, Wasser als strategisches Zukunftsthema zu behandeln – so, wie es der Leitartikel fordert: nicht als selbstverständliche Ressource, sondern als fundamentale Voraussetzung jeder wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und ökologischen Stabilität.
Bereits heute sind Wasserreserven unwiederbringlich verloren, wird wirtschaftliches Wachstum durch Wasserknappheit verhindert, oder aber es verschärft den Notstand noch zusätzlich. Wassermangel lässt Armut wachsen, und Kriege um Wasserressourcen sind nicht mehr undenkbar. Schon heute wird Wasser zum Hebel geopolitischer Macht und zum zentralen Mittel der Kriegsführung. Aber auch bei uns steigen die Kosten für Wasseraufbereitung und Abwasserreinigung zunehmend und belasten auch mittlere Einkommensschichten.
Genau deshalb kommt der Wasserwirtschaft und den GWP‑Mitgliedsunternehmen eine entscheidende Rolle zu. Sie verfügen über Technologien, die jetzt dringend gebraucht werden – von effizienter Aufbereitung über Wiederverwendungssysteme bis hin zu smarter Steuerung. Unsere Ingenieurbüros, Betreiber und Forschungseinrichtungen zeigen, wie ein nachhaltiges Wassermanagement aussehen kann. Bei GWP arbeiten wir gemeinsam daran, dass sich Wasserpolitik künftig an den tatsächlichen hydrologischen Bedingungen orientiert – nicht an überholten Referenzwerten.
Für mich persönlich heißt das: Wenn ein neuer Lebensabschnitt beginnt, dann einer, der sich dem Thema #GlobalWaterResponsibility widmet. Denn was lange als „innovativ“ galt, ist heute notwendige Überlebensstrategie: intelligente Bewässerung, Wasserwiederverwendung, dezentrale Lösungen, digitale Überwachungssysteme. All das existiert – aber es wird noch viel zu langsam angewandt.
2025 hat vieles verändert. 2026 wird zeigen, ob wir bereit sind, daraus die richtigen Konsequenzen zu ziehen. Ich möchte meinen Beitrag leisten – mit Zeit, Wissen, Erfahrung und der festen Überzeugung, dass wir den Wendepunkt noch gestalten können.
Herzliche Grüße
Alexandra Ervenich
