Wasser, Wirtschaft, Wettbewerbsfähigkeit – was 2026 entscheidet

„Die Vorstandskolumne“ ist eine Rubrik, in der Sie aus der Perspektive eines GWP-Vorstandsmitglieds über relevante Themen aus dem Wassersektor informiert werden. Die 50. Ausgabe der Reihe übernimmt Ingo Hannemann.

GWP-Vorstandsvorsitzender Ingo Hannemann © GWP

2026 wird ein Jahr der Entscheidungen. Nach der Weihnachtspause melden wir uns als German Water Partnership (GWP) zurück und nehmen unsere Arbeit wieder auf – in einem Umfeld, das von tiefgreifenden geopolitischen Verschiebungen und wirtschaftspolitischen Weichenstellungen geprägt ist. Selten zuvor waren die Rahmenbedingungen für Wirtschaft und Industrie so anspruchsvoll und zugleich so entscheidend für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit unseres Standorts.

Was bedeutet das – und wo stehen wir aktuell?

Die deutsche Wirtschaft verfügt insbesondere mit ihrem Mittelstand, der auch bei GWP stark vertreten ist, über eine solide Basis und hervorragende Substanz für zukünftigen Erfolg – vorausgesetzt, die ordnungs- und wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen stimmen. Genau hier liegt „des Pudels Kern“: Innenpolitisch drohen die angekündigten und seit Langem überfälligen Reformen der Sozialsysteme erneut im Sande zu verlaufen. Seit Jahren steigende Abgaben belasten den Mittelstand massiv und gefährden zunehmend die wirtschaftliche Substanz vieler Unternehmen. Statt sich konsequent dieser Herausforderung zu stellen, sucht ein Teil der Politik – selbst innerhalb der Regierung – nach neuen Einnahmequellen, obwohl die Staatsquote bereits ein Rekordniveau erreicht hat.

Auch geopolitisch steht unsere exportorientierte (Wasser-)Wirtschaft unter erheblichem Druck: Handelsbeschränkungen, Zölle und der wachsende Wettbewerb durch neue Akteure aus ehemaligen Absatzmärkten – etwa China – verschärfen die Lage spürbar. Die Europäische Union vermittelt hierbei leider noch kein geschlossenes Bild und ringt weiterhin um tragfähige Antworten. Weitere geopolitische Spannungsfelder (Stichwort Causa „Grönland“) sollen an dieser Stelle bewusst ausgeklammert bleiben.

Ich bin jedoch überzeugt, dass der wirtschaftliche – und damit auch der politische – Druck in diesem Jahr so groß wird, dass die Bundespolitik zum Handeln gezwungen ist. Wir sind stark, unsere Wirtschaft ist stark. Historisch haben wir alle infrastrukturellen und wirtschaftlichen Herausforderungen bewältigt. Es führt kein Weg daran vorbei: Die Regierung muss 2026 den Schmerzpunkt überwinden und die überfälligen Reformen entschlossen angehen und umsetzen. Dazu gehört auch der Mut, unpopuläre Entscheidungen zu treffen  – und der Wille beider Koalitionspartner, gemeinsam Verantwortung zu übernehmen.

Es gibt zugleich einen ersten Hoffnungsschimmer: Die Unterzeichnung der Freihandelsabkommen der Europäischen Union mit Mercosur und Indien sendet ein wichtiges Signal in die Welt, dass Europa – und damit auch Deutschland – ein verlässlicher Handelspartner mit klaren Werten und verbindlichen Standards ist. Diesen Weg muss die EU nun konsequent fortsetzen – auch mit einer vorläufigen Anwendung des Mercosur-Abkommens.

Ingo Hannemann und Boris Greifeneder mit EU-Kommissarin Jessika Roswall auf der GWP-Jahreskonferenz 2025 © GWP

Jahresausblick 2026: Das erwartet Sie bei GWP

Bei GWP haben wir bereits zentrale Neuerungen auf den Weg gebracht, um unsere Aktivitäten kontinuierlich an die sich stetig wandelnden technologischen und internationalen Rahmenbedingungen anzupassen und unseren Mitgliedern 2026 zusätzlichen Mehrwert zu bieten.

Bereits zur IFAT Munich vom 4. bis 7. Mai 2026 planen wir den Launch unseres „Virtual Index of Members“. In einer virtuellen, visuell ansprechenden und interaktiven Darstellung werden unsere Mitglieder mit ihren Produkten und Dienstleistungen präsentiert – für potenzielle Kunden digital erlebbar und leichter auffindbar. Damit bringen wir unseren „Index of Members“ ins digitale Zeitalter und kreieren eine Plattform, die das breite Portfolio und die Innovationskraft unserer Mitglieder für potenzielle Kunden und Neumitglieder einfacher zugänglich macht.

Unsere Jahreskonferenz am 24. und 25. Juni 2026 in Berlin veranstalten wir erstmals gemeinsam mit einem namhaften Medienpartner: dem Handelsblatt. Unter dem Leitgedanken „Wirtschaftsfaktor Wasser“ rücken wir die Bedeutung der Wasserwirtschaft als Schlüsselbranche für Wachstum, Resilienz und industrielle Wertschöpfung in den Mittelpunkt. Die neue Medienpartnerschaft, die aus der erfolgreichen Sonderbeilage „GLOBAL WATER RESPONSIBILITY – Wie deutsche Unternehmen Verantwortung für die wertvollste Ressource der Welt übernehmen“ heraus entstanden ist, wird die öffentliche Wahrnehmung der Konferenz stärken und unseren Anspruch, Wasser höher auf die politische Agenda zu setzen, unterstreichen.

Darüber hinaus wird sich GWP am 29. und 30. Juni 2026 auf der Hamburg Sustainability Conference (HSC) im Themencluster „Resilient Societies – Resilient Economies“ mit einer eigenen Session unter dem Titel „The Water-Growth Nexus: Sustaining Industrial Development in a Thirsty World“ positionieren und einen alternativen Ansatz für die Wahrnehmung von Wasser in die internationale Debatte einbringen.

Ingo Hannemann bei einer Paneldiskussion auf der Vatten 2025 in Göteborg, Schweden

Unsere internationale Arbeit richten wir künftig stärker an Marktsegmenten aus („market facing“) und intensivieren unsere bilateralen Kooperationen – insbesondere über das Markterschließungsprogramm (MEP) des Bundes. Den Auftakt bildet die Geschäftsanbahnungsreise nach Schweden im März 2026.

Das Auslandsmesseprogramm (AMP) des Bundes bietet 2026 auch Anlass zur Neujustierung: Nach dem Hin und Her um die Finanzierungsfrage der Auskunftsperson und die sich abzeichnende Tendenz in den Entscheidungen des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, auf den Wassermessen 2026 keine Auskunftspersonen mehr zu genehmigen, führen dazu, dass GWP seltener bei German Pavilions vertreten sein wird – und eröffnen zugleich die Chance, das Instrument insgesamt zu überdenken.

Auch 2026 setzen wir unser Engagement für #GlobalWaterResponsibility unvermindert fort: Mit dem von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt geförderten Partnerschaftsprojekt zwischen GWP und dem Mykolaiv Water Hub fördern wir den Wissens- und Technologietransfer zwischen der deutschen Wasserbranche und ukrainischen Wasserver- wie Abwasserentsorgern, die aktuell im kältesten Winter seit Beginn des russischen Angriffskriegs unter extremen Bedingungen die elementare Daseinsvorsorge aufrecht erhalten. Seit mehr als sechs Jahren begleiten wir als enger Kooperationspartner zudem die vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) geförderte und von der GIZ umgesetzte Betreiberplattform zur Etablierung von Partnerschaften zwischen deutschen und internationalen kommunalen Wasserbetreibern.

Zugleich endet Ende März nach mehr als sechs Jahren intensiver Zusammenarbeit das BMZ-finanzierte Kammer- und Verbandspartnerschaftsprojekt GAPWAS (German-African Partnership for Water and Sanitation) mit der African Water and Sanitation Association. In dieser Zeit haben wir ein belastbares Netzwerk auf dem afrikanischen Kontinent aufgebaut, geprägt von Vertrauen und fachlichem Austausch. Diese Beziehungen sollen und werden über das Projektende hinaus fortbestehen. Das vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt geförderte Forschungsprogramm „Wassersicherheit in Afrika (WASA)“ geht ins 3. Jahr. WASA verbindet Wissenschaft, Industrie und Betreiber, um die Wassersicherheit in Afrika nachhaltig zu stärken – ein interdisziplinärer Ansatz, der GWP seit seiner Gründung prägt und heute wichtiger ist denn je.

Es bleibt dabei: Wer Wasser „kann“, sollte das sichtbar machen und sich bei GWP engagieren – als Mitglied im GWP-Netzwerk, bei der Fach- und Gremienarbeit oder im Rahmen von Veranstaltungen und Kampagnen. Es lohnt sich – auch und gerade 2026.