German Water Partnership zur Diskussion von „Global Water Bankruptcy“: Warum der Schutz und die nachhaltige Entwicklung unseres Wasserkapitals Priorität haben

Internationale wissenschaftliche Analysen – zuletzt von der United Nations University – zeigen seit Jahren eine klare Tendenz: In vielen Regionen der Welt wird mehr Wasser entnommen oder belastet, als sich unter natürlichen Bedingungen regeneriert. Die Folgen: Grundwasserspiegel sinken, große Seen verlieren an Volumen, Feuchtgebiete gehen zurück, Gletscher als natürliche Speicher schrumpfen deutlich.

Dabei geht es nicht nur um Mengen. Auch die Qualität entscheidet über die tatsächliche Verfügbarkeit: Verschmutztes, versalzenes oder anderweitig ökologisch geschädigtes Wasser steht funktional nicht im gleichen Umfang zur Verfügung wie intakte Ressourcen. In der Summe verändern sich die wasserwirtschaftlichen Rahmenbedingungen weltweit – mit ökologischen, wirtschaftlichen und geopolitischen Konsequenzen.

In der internationalen wissenschaftlichen Debatte wurde für diesen neuen Status Quo der Begriff „Global Water Bankruptcy“ eingeführt, dessen zentrale Botschaft klar ist: Unser Handeln in Bezug auf Wasser muss sich stärker auf langfristige Resilienz, ökologische Tragfähigkeiten und integrierte Steuerungsmöglichkeiten ausrichten.

 

Verdorrte Erde als Sinnbild für „Global Water Bankruptcy“ – wenn die weltweiten Wasserressourcen schneller erschöpft werden, als sie sich erneuern können. © pexels

German Water Partnership (GWP) versteht diese Entwicklung nicht nur als Weckruf, sondern vor allem als Bestätigung der Arbeit der vergangenen Jahre.

Als Netzwerk der international tätigen deutschen Wasserwirtschaft verfolgt der Verband das Ziel, die Branche als glaubwürdigen und leistungsfähigen Akteur zu positionieren. Sie soll dazu beitragen, Wasserressourcen nachhaltig zu sichern, Nutzungskonflikte zu reduzieren und resiliente Infrastrukturen zu stärken – in Deutschland ebenso wie weltweit.

1) Vom Krisenmanagement zur langfristigen Sicherung des Wasserkapitals

Wasserpolitische Diskussionen sind vor allem international häufig von einem akuten Krisenmodus geprägt – Dürren, Überschwemmungen, Versorgungsengpässe. Künftig wird es nicht mehr ausreichen, auf kurzfristige Entwicklungen zu reagieren. Stattdessen braucht es einen strategischen Ansatz: Wasserressourcen müssen systematisch geschützt, strukturelle Belastungen konsequent reduziert und natürliche Speicher- sowie Regenerationsfunktionen gezielt gestärkt werden.

Die deutsche Wasserwirtschaft verfügt über umfassende Erfahrung in der Entwicklung, Fertigung sowie im Betrieb technischer und naturbasierter Ansätze: moderne Monitoring- und Steuerungssysteme, digitale Modelle, energieeffiziente Aufbereitungstechnologien, Wasserwiederverwendung (Reuse), Leckagemanagement sowie Konzepte der Schwammstadt und dezentralen Regenwasserbewirtschaftung.

Maßnahmen wie diese sind Investitionen in Resilienz, Standortqualität und Versorgungssicherheit. Sie stärken ökologische Funktionen ebenso wie wirtschaftliche Stabilität – und reduzieren langfristig Risiken, Folgekosten und Abhängigkeiten.

2) Verlässliche Rahmenbedingungen als Grundlage für Umsetzung

Langfristige Wasserresilienz erfordert klare, planbare und verlässliche politische Rahmenbedingungen. Internationale Prozesse – etwa die kommenden UN-Wasserkonferenzen 2026 und 2028 sowie die Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele bis 2030 – bieten wichtige Anknüpfungspunkte, um Wasser mit all seinen Interdependenzen als strategisches und systemisches Politikfeld herauszuarbeiten.

Die deutsche Wasserwirtschaft bringt hier technische Expertise, Umsetzungserfahrung und Systemkompetenz ein.

3) Innovation ist vorhanden – entscheidend sind Systeme und Skalierung

Technologien und Konzepte für eine nachhaltige Wasserbewirtschaftung sind in vielen Bereichen verfügbar. Die Herausforderung liegt weniger in der Entwicklung neuer Lösungen als in ihrer systematischen Betrachtung sowie der Anwendung im größeren Maßstab.

Dabei gilt: Der Ausbau von Infrastruktur allein löst strukturelle Übernutzung nicht. Effizienz, Verlustreduktion und nachhaltige Entnahmegrenzen müssen integraler Bestandteil jeder Innovationsstrategie sein.

4) Partnerschaften als Schlüssel zur Umsetzung

Wasser ist kein Querschnittsthema, sondern gehört ins Zentrum bilateraler Kooperationsformate, worunter andere Themen subsummiert werden sollten. Nachhaltige Lösungen in der Praxis entstehen nur im Zusammenspiel von Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft entlang konkreter Handlungsebenen zwischen zwei Ländern oder Regionen.

International gewinnen bilaterale Partnerschaften an Bedeutung – insbesondere mit Ländern des Globalen Südens. Neben Technologieexport geht es zunehmend um gemeinsame Projektentwicklung, Capacity Development und institutionellen Aufbau.

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Bedeutung für das Netzwerk der deutschen Wasserwirtschaft

Veränderte hydrologische Rahmenbedingungen führen weltweit zu wachsender Nachfrage nach integrierten, resilienten Wasserlösungen. Die deutsche Wasserwirtschaft verfügt über besondere Stärken in technischer Qualität, normativer Sicherheit, Effizienz und Systemintegration.

Im internationalen Wettbewerb gewinnen integrierte Angebote an Bedeutung – von Planung über Bau und Betrieb bis zu Monitoring und Qualitätssicherung. Kooperationen in Konsortien und langfristige bilaterale Partnerschaften als Angebot der Zusammenarbeit werden daher strategisch wichtiger.

Zugleich bietet der internationale Erfahrungsaustausch einen Mehrwert für Deutschland selbst: Erkenntnisse aus wasserarmen oder hochbelasteten Regionen können in nationale Resilienzstrategien zurückfließen und Innovationsprozesse befördern.

Fazit: Wasser strategisch sichern und nachhaltig entwickeln

Die internationale Diskussion um „Global Water Bankruptcy“ macht deutlich, dass Wasserbewirtschaftung systemischer ausgerichtet und im Rahmen von Partnerschaften ausgebaut werden muss.

Wasser ist eine Schlüsselressource für Klimaanpassung, Biodiversität, Ernährungssicherheit, Gesundheit und wirtschaftliche Entwicklung. Eine vorausschauende, integrierte Wasserpolitik ist daher kein Sonderthema – sondern ein zentraler Baustein nachhaltiger Zukunftsgestaltung.

Nutzen wir diese Chance gemeinsam. Dann gelingt uns der Shift – von Global Water Bankruptcy zu Global Water Responsibility.