„Die Vorstandskolumne“ ist eine Rubrik, in der Sie aus der Perspektive eines GWP-Vorstandsmitglieds über relevante Themen aus dem Wassersektor informiert werden. Die aktuelle Ausgabe kommt von Dr. Shahrooz Mohajeri.

Es ist nicht lange her, seitdem die Bundesregierung deutsche Betreiber aus dem Trink- und Abwasserbereich dabei unterstützt, international tätig werden. Seither engagieren sie sich – auch durch die Unterstützung von German Water Partnership e.V. (GWP) – zunehmend global und ergänzen damit die internationalen Aktivitäten der deutschen Consultants, Komponentenhersteller und Anlagenbauer um einen längst notwendigen Baustein.
Das Signal der Unterstützung aus der Politik dafür war eindeutig: Sowohl Erklärungen der Bundesregierung als auch die Konferenz der Innenminister und -senatoren unterstützen ausdrücklich die „Mitwirkung der Kommunen an der Entwicklungszusammenarbeit“ zur Erreichung der 17 Ziele für eine nachhaltige Entwicklung (SDGs) und der Agenda 2030.
Fachkräfte qualifizieren durch digitale Lösungen
Deutsche Wasser- und Abwasserbetriebe sind aus verschiedenen Gründen an einem internationalen Engagement interessiert. Dabei stehen die kommunalen Unternehmen vor unterschiedlichen Herausforderungen. Eine stellt die Verfügbarkeit von (immer knapper werdendem) Eigenpersonal dar, das im besten Fall nicht nur fachliche Expertise hat, sondern sich auch souverän in fremden Arbeitskulturen und Sprachen bewegen kann und die nötigen didaktischen Fähigkeiten besitzt.
Um dieser Herausforderung entgegenzuwirken wurde gemeinsam mit GWP-Mitgliedern und Partnern im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geforderten Innovationsforums „Betreiberpartnerschaften 4.0“ (www.betreiberpartnerschaften.de) ein digitaler Lösungsansatz entwickelt: Digitale Lösungen und Technologien sollen Teile der internationalen betrieblichen Unterstützung und Weiterbildung von Deutschland aus ermöglichen, ohne dass die Qualität der Partnerschaften darunter leidet. Ganz im Gegenteil: Durch wirkungsvolle Weiterbildung der ausländischen Partner mit digitalen Trainingskursen wird der fachliche Austausch nachhaltig verbessert und intensiviert.
Ein digitaler Lernraum, viele Vorteile
Die Ergebnisse des Innovationsforums zeigen eindeutig, dass die Schaffung eines gemeinsamen digitalen Lernraums und der Einsatz von digitalen Lernmanagementsystemen einen wichtigen Beitrag zur Effizienzsteigerung und Verbesserung des Wissens- und Erfahrungstransfers leisten könnte. Darüber hinaus würde ein gemeinsames Lernmanagementsystem weitere Zwecke erfüllen, wie z.B.:
- die effiziente Gestaltung der Zusammenarbeit und Minimierung der Vororteinsätze von deutschen Fachkräften,
- die Einbindung von zusätzlichem Betriebsfachpersonal mit geringem Zeitbudget oder auch geringer Affinität zu Auslandseinsätzen in das Projekt,
- die systematische Bereit- und Darstellung der Lernziele, -inhalte und -formate,
- die dauerhafte Speicherung und Verfügbarkeit des Wissens und der Erfahrungen insbesondere für ausländische Partner, die von Brain-Drain betroffen sind und damit
- die Entpersonalisierung von gesammeltem Wissen und Erfahrung (implizites vs. explizites Wissen bzw. individuelles vs. organisationales Wissen).
Weiterhin weisen die geführten Expertengespräche (u.a. mit verschiedenen Wasser- und Abwasserbetrieben, Universitäten sowie Vertreter:innen der GIZ, KfW und des BMZ) darauf hin, dass mit dem Einsatz dieser Technologien eine Steigerung der Attraktivität der Wasserbetriebe für gut ausgebildete Fachkräfte verbunden sein würde und damit ein Doppelnutzung erreicht werden könnte.
Mit dem Hosting einer solchen Wissensdatenbank bei GWP würde der Verband seinen Mitgliedern, auch unabhängig von öffentlicher Förderung der Partnerschaften einen Mehrwert bieten. GWP kann so zu dem Ort werden, bei dem das Praxiswissen aus vielen Jahren gewachsenem Vertrauen und gegenseitiger Unterstützung zusammengetragen und aufbereitet wird. Was in einem ersten Schritt aus den Betreiberpartnerschaften entsteht, könnte bald ein attraktives Angebot für alle Mitglieder von GWP werden.
Sie haben Interesse an einem direkten Austausch? Der GWP-Arbeitskreis Betrieb und Bildung setzt sich unter anderem zum Schwerpunkt, das Know-how öffentlicher und privater Betreiber aus der deutschen Wasserwirtschaft in Entwicklungs-/ Schwellenländern besser nutzbar zu machen.
