Wo entstehen die Industriestandorte der Zukunft? Lange lautete die Antwort: dort, wo Energie verfügbar ist, Fachkräfte ausgebildet werden und stabile politische Rahmenbedingungen herrschen. Heute kommt eine weitere Frage hinzu – und sie gewinnt rasant an Bedeutung: Ist ausreichend Wasser verfügbar?

Diese Entwicklung verändert den Blick auf Wasser grundlegend. Wasser ist längst mehr als ein Umwelt- oder Infrastrukturthema. Es wird zu einem Standortfaktor, der darüber entscheidet, wo investiert, produziert und langfristig Wertschöpfung aufgebaut werden kann.
Genau diese Entwicklung stand im Mittelpunkt der ersten Handelsblatt Konferenz „Wirtschaftsfaktor Wasser“, die German Water Partnership (GWP) am 24. und 25. Juni in Berlin als Initiativpartner begleitet hat. Die Konferenz hat deutlich gemacht: Wer heute über Wettbewerbsfähigkeit spricht, muss Wasser mitdenken. Nicht als Randthema, sondern als Voraussetzung für die Entwicklung von Wirtschaft.
Darin liegt eine große Chance. Denn weltweit wächst der Bedarf an Lösungen für eine sichere und effiziente Wasserbewirtschaftung. Gleichzeitig verfügt die deutsche Wasserwirtschaft über Technologien und Know-how, die genau dort gebraucht werden, wo neue Märkte entstehen. Wasser wird damit nicht nur zur Herausforderung, sondern auch zu einem Zukunftsmarkt.

Ein Blick in die Regionen, in denen GWP gemeinsam mit seinen Mitgliedern aktiv ist, zeigt, wie eng Wasser und Wachstum inzwischen miteinander verknüpft sind.
Mexiko erlebt durch das sogenannte Nearshoring einen beispiellosen Investitionsschub. Immer mehr Unternehmen verlagern ihre Produktion näher an den nordamerikanischen Absatzmarkt, um Lieferketten zu verkürzen, geopolitische Risiken zu reduzieren und Transportkosten zu senken. Davon profitieren insbesondere die Automobil-, Elektronik- und Halbleiterindustrie. Gleichzeitig liegen viele dieser neuen Standorte in Regionen mit ausgeprägtem Wasserstress.
Südafrika setzt auf den Ausbau der Wertschöpfung rund um Elektromobilität und kritische Rohstoffe. Von der Rohstoffgewinnung bis zur industriellen Verarbeitung spielen wasserintensive Prozesse eine zentrale Rolle. Wer diese Industrien nachhaltig entwickeln will, muss deshalb auch in eine leistungsfähige Wasserinfrastruktur investieren.
Die Vereinigten Arabischen Emirate verfolgen ehrgeizige Pläne beim Ausbau von Rechenzentren und Anwendungen der Künstlichen Intelligenz. Dabei richtet sich der Blick häufig auf den steigenden Energiebedarf. Weniger im Fokus steht, dass auch moderne Rechenzentren erhebliche Mengen Wasser für ihre Kühlung benötigen. Gleichzeitig zählt die Region zu den Vorreitern bei Entsalzung und Wasserwiederverwendung – zwei Bereiche, in denen deutsche Unternehmen weltweit gefragt sind.
In Zentralasien entscheidet Wasser unmittelbar über die Zukunft der Landwirtschaft. Sinkende Wasserverfügbarkeit und der Klimawandel erhöhen den Druck, Bewässerungssysteme zu modernisieren und Wasser effizienter einzusetzen. Für die Region geht es dabei nicht nur um Ressourcenschutz, sondern ebenso um Ernährungssicherheit, wirtschaftliche Entwicklung und Stabilität.
Die Beispiele mögen unterschiedlich sein, doch sie erzählen dieselbe Geschichte: Ob Halbleiter, Batterien, Rechenzentren oder Landwirtschaft – überall dort, wo neue Wertschöpfung entsteht, wird Wasser zum entscheidenden Standortfaktor.
Genau deshalb beschäftigt sich GWP mit Wasser nicht isoliert, sondern im Zusammenhang mit wirtschaftlicher Entwicklung. Die Regionalforen des Netzwerks beobachten diese Veränderungen in ihren Zielmärkten, bringen deutsche Expertise mit internationalen Partnern zusammen und schaffen den Zugang zu neuen Märkten. Sie zeigen, dass Wasserpolitik heute immer auch Industrie-, Innovations- und Außenwirtschaftspolitik ist.

Diese Debatte hat auch die Hamburg Sustainability Conference geprägt. Gemeinsam mit Georg Weber (CTO der Wilo Group), Valerie Hickey (Director Environment, World Bank Group) und Vidiya Amrit Khan (Bangladesh Garment Manufacturers and Exporters Association, BGMEA) diskutierte GWP in der Session „Water–Growth Nexus: Sustaining Industrial Development in a Thirsty World“, wie wirtschaftliches Wachstum gelingen kann, wenn Wasser vielerorts zur begrenzenden Ressource wird. Die Perspektiven reichten dabei von der industriellen Praxis über internationale Entwicklungsfinanzierung bis hin zu einer exportorientierten Textilindustrie, für die Wasser zugleich Produktionsgrundlage und Wettbewerbsfaktor ist.
Die eigentliche Frage lautet dabei nicht, ob Wachstum oder Nachhaltigkeit Vorrang haben. Die entscheidende Frage ist, wie beides zusammen gedacht werden kann. Denn nur dort, wo Wasser langfristig gesichert ist, lassen sich auch Industrie, Wohlstand und Resilienz dauerhaft entwickeln.
Für GWP ist das keine Zukunftsvision, sondern tägliche Arbeit im Netzwerk. Gemeinsam mit unseren Mitgliedern bringen wir deutsche Wasserkompetenz in genau jene Regionen, in denen sie den größten Beitrag leisten kann – für sichere Wasserversorgung, für wirtschaftliche Entwicklung und für nachhaltiges Wachstum.
Sie beschäftigen sich mit internationalen Wassermärkten oder bringen Expertise in einer unserer Schwerpunktregionen mit? Dann bringen Sie sich in unsere Regionalforen ein und gestalten Sie gemeinsam mit unserem Netzwerk die Zukunft von Wasser als Standort- und Wachstumsfaktor. Ob Lateinamerika, Afrika, Naher Osten oder Zentralasien – unsere Regionalforen leben vom Austausch unserer Mitglieder. Wir freuen uns auf Ihre Perspektiven und Ihr Engagement.
