
Projektlaufzeit: Dezember 2021 – Mai 2025
Gefördert durch: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Durchgeführt von: sequa gGmbH im Rahmen der PartnerAfrika-Projektlinie
Im Rahmen des vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) geförderten und über die sequa gGmbH umgesetzten PartnerAfrika-Projekts AGTIWAS – African-German Training Initiative for Water and Sanitation – unterstützte German Water Partnership (GWP) den Partnerverband African Water and Sanitation Association (AfWASA) beim Aufbau einer panafrikanischen Weiterbildungsakademie: der African Water and Sanitation Academy (AWASA).
Mit der Akademie soll ein dauerhaftes Kompetenzzentrum für Aus- und Weiterbildung geschaffen werden, das maßgeschneiderte Trainingsprogramme für Fach- und Führungskräfte aus dem afrikanischen Wasser- und Abwassersektors anbietet – von technischem Wissen bis hin zur Stärkung von Führungs- und Managementkompetenzen. Damit sollen die lokalen Herausforderungen im Bereich Wasser und Abwasser wirksam angegangen werden. Ziel des Projekts war der institutionelle Aufbau der Akademie sowie die Durchführung von Pilottrainings in Ruanda und im Senegal. Langfristig soll die AWASA als Schulungszentrum etabliert werden, das in Kooperation mit bereits bestehenden Bildungsinstitutionen länderspezifische Trainingsprogramme auf dem gesamten afrikanischen Kontinent entwickelt und anbietet, die gezielt auf die lokalen Bedarfe und Lücken im Ausbildungsangebot abgestimmt sind.
Der administrative Sitz der Akademie befindet sich in Kampala, Uganda, was auf die langfristige Vision für die Akademie, Trainings afrikaweit in einem dezentralen Satellitenmodell anzubieten, zurückgeht. Das Projekt startete am 1. Dezember 2021 und lief am 30. Mai 2025 aus – Zeit, auf die Meilensteile, Herausforderungen und Erfolge zurückzublicken.

AGTIWAS in Zahlen
Innerhalb der Projektlaufzeit wurden auf die lokalen Bedürfnisse zugeschnittene Schulungsinhalte entwickelt und 24 Workshops in den Pilotländern Ruanda und Senegal durchgeführt. Insgesamt nahmen 241 Personen an den Schulungen teil, darunter 178 Männer (74 %) und 63 Frauen (26 %). 144 der Teilnehmenden (60 %) waren Jugendliche. Nach Ländern betrachtet kamen 145 Teilnehmende (60 %) aus Ruanda, 89 (37 %) aus Senegal und 7 (3 %) aus der Demokratischen Republik Kongo.
Gleichzeitig eröffnete das Projekt Unternehmen der deutschen Wasserbranche neue Möglichkeiten, sich aktiv in die Fachkräftequalifizierung in Afrika einzubringen. Dieses Engagement stärkt nicht nur die Entwicklungsdynamik im Wassersektor der Zielländer, sondern bietet auch Zugang zu einem afrikaweit agierenden Netzwerk – und damit zu neuen Geschäftschancen. Insgesamt wurden 23 Unternehmen und Organisationen in den Wissenstransfer zwischen afrikanischen und deutschen bzw. europäischen Partnern eingebunden.

Entwicklung der Module zu Regenwassermanagement und Abwasserbehandlung
In enger Zusammenarbeit mit KLIMA.connection und der Stadtentwässerung Dresden wurden praxisnahe Trainingsmodule zu Regenwassermanagement und Abwasserbehandlung entwickelt und in Ruanda sowie im Senegal erfolgreich pilotiert. In einem partizipativen, mehrstufigen Prozess wurden Bedarfe und Trainingslücken identifiziert und passgenaue Konzepte entwickelt, die lokale Anforderungen mit internationaler Expertise verbinden. Die Module richten sich an Fachkräfte des afrikanischen Kontinents aus dem öffentlichen wie privaten Sektor. Langfristig soll ein Trainerpool bestehend aus internationalen und lokalen Expert:innen aufgebaut werden. Die entwickelten Module stehen der Akademie langfristig auf Englisch und Französisch zur Verfügung und können in weiteren Ländern skaliert werden.

Praxisnahe Trainings mit nachhaltiger Wirkung
Die durchgeführten Workshops richteten sich an Fachkräfte aus Betreiberorganisationen, Universitäten sowie privaten Unternehmen. Ein zentraler Fokus lag darauf, die Verzahnung von Hochschullehre und Praxis zu stärken. So erhielten beispielsweise Universitätsdozent:innen in Ruanda erstmals direkten Einblick in reale Anlagen und Arbeitsabläufe. Dieses Erfahrungswissen ermöglicht es ihnen, ihre Lehrveranstaltungen praxisorientierter auszurichten und die Qualität der Wissensvermittlung nachhaltig zu verbessern. Gleichzeitig wurden innovative Technologien vorgestellt – darunter Lösungen zur Trinkwasserqualitätsanalyse im ländlichen Raum ohne Stromversorgung –, die sowohl in der Ausbildung als auch im späteren Berufseinsatz eine wichtige Rolle spielen.
AGTIWAS-Partnertreffen: Regionale Vernetzung und intensiver Fachaustausch
Zur besseren Abstimmung der Projektaktivitäten in den Pilotländern Ruanda und Senegal sowie zur intensivierten Vernetzung mit den Partnern aus Côte d’Ivoire und Uganda kamen im Dezember 2023 Vertreter:innen aller Partnerorganisationen in Kigali, Ruanda, zusammen und tauschten sich zu Fachthemen sowie der weiteren Projektplanung aus. Das regionale Partnertreffen fand im Rahmen der IWA International Water & Development Congress & Exhibition statt. Auch vier GWP-Mitglieder, darunter LETZTEST, SolarSpring GmbH, aqua & waste International GmbH und das Forschungsinstitut für Wasserwirtschaft und Klimazukunft an der RWTH Aachen e. V. (FiW), waren mit vor Ort und stärkten gemeinsam mit ruandischen Kolleg:innen das Programm durch fachliche Workshops zu Themen, die aus den Pilotländern heraus als besonders relevant eingestuft worden waren. Dazu gehören dezentrale Trinkwasserversorgung, Wasserqualitätstestung im ländlichen Raum, urbane Klimaresilienz durch Frühwarnsysteme sowie Wasserwiederverwendung.
Delegationsbesuch auf der IFAT Munich 2024: Stärkung der deutsch-afrikanischen Partnerschaften
Nur wenige Monate nach dem Partnertreffen in Ruanda empfing GWP eine Delegation aus Ruanda, dem Senegal, Côte d’Ivoire und Uganda eine Woche lang auf der IFAT Munich 2024. Neben dem Besuch der Messe standen auch Exkursionen zu wasserwirtschaftlichen Anlagen, Fachgespräche sowie der direkte Dialog mit Stakeholdern aus dem GWP-Netzwerk auf dem Programm. Die Delegationsreise bot wertvolle Einblicke in technische Lösungen „Made in Germany“ und ermöglichte konkrete Ansätze für künftige Kooperationen im Bereich der Fachkräftequalifizierung und Technologiepartnerschaften.
Sowohl das regionale Partnertreffen als auch der Delegationsbesuch auf der IFAT Munich 2024 haben maßgeblich zur Stärkung der Vernetzung zwischen Unternehmen und Betreiberorganisationen beigetragen – nicht nur zwischen afrikanischen und deutschen Stakeholdern, sondern auch innerhalb des afrikanischen Kontinents. Durch den persönlichen Austausch entstanden neue Kontakte, Kooperationen und ein vertieftes Verständnis für gemeinsame Herausforderungen und Lösungsansätze im Wasser- und Abwassersektor – über Ländergrenzen hinweg.
Herausforderungen auf dem Weg zur Akkreditierung der Akademie
Trotz bedeutender Fortschritte sah sich das AGTIWAS-Projekt im Projektverlauf mit einer Reihe struktureller, politischer und pandemischer Herausforderungen konfrontiert. Besonders der langwierige Registrierungsprozess der Akademie in Uganda, der bis heute nicht vollständig abgeschlossen ist, stellte einen erheblichen Hemmschuh dar. Hinzu kamen politische Unruhen im Senegal sowie der Ausbruch des Marburg-Virus in Ruanda und Ebola in Uganda, die zu teils erheblichen Verzögerungen bei der Umsetzung geplanter Trainings führten. Es zeigte sich: Panafrikanische Kooperationen brauchen einen langen Atem. Unterschiedliche Rechtssysteme, staatliche und halbstaatliche Strukturen, sprachliche Vielfalt und kulturelle Unterschiede erfordern Geduld, Flexibilität und interkulturelle Kompetenz.
Ausblick: Voraussetzungen für nachhaltigen Erfolg
Positiv hervorzuheben ist: Der Registrierungsprozess der Akademie befindet sich inzwischen in der finalen Phase. Ein Abschluss wird noch im Jahr 2025 erwartet. Mit der formalen Registrierung wird AfWASA in die Lage versetzt, gezielt weitere Geber für die institutionelle und inhaltliche Weiterentwicklung der Akademie zu gewinnen.
Das Interesse an einer panafrikanisch agierenden Akademie in der afrikanischen Wassercommunity ist hoch. Der gewählte Ansatz mit bereits bestehenden und akkreditierten Trainingsinstitutionen Kooperationen einzugehen, stößt auf breite Zustimmung – sowohl in den Pilotländern als auch in weiteren Mitgliedsländern von AfWASA. Um die Schulungen auszuweiten, sind lokale Partnerschaften sowie länderspezifische Analysen notwendig, die aufzeigen, welche Lücken im bestehenden Bildungsangebot bestehen und welche Kompetenzen vor Ort besonders benötigt werden. Intern müssen die Strukturen transparent, bedarfsorientiert und effizient ausgestaltet werden, damit die Akademie ihrer Rolle als zentraler Akteur für Aus- und Weiterbildung im Wasser- und Abwassersektor auf dem afrikanischen Kontinent gerecht wird.
GWP bekräftigt das strategische Interesse an der weiteren Zusammenarbeit und wird auch künftig Expertise aus deutschen Mitgliedsunternehmen einbringen – etwa durch Co-Moderation von Workshops mit deutschen und afrikanischen Fachleuten. Ein Ansatz, der sich im Projektverlauf als sehr erfolgreich erwiesen hat.
Meilenstein für Fachkräfteentwicklung und Partnerschaften im Wassersektor
Durch die Entwicklung und Pilotierung praxisnaher, nachfragegerechter Schulungsinhalte sowie die Anschaffung essenzieller Lehrmittel – darunter Ultrafiltrationsanlagen, ein mobiles Waterlab und Schulungsmaterialen – hat AGTIWAS die Grundlage für eine zukunftsfähige Aus- und Weiterbildungsstruktur im afrikanischen Wasser- und Abwassersektor gelegt. Durch die gezielte Verbindung von lokalem Wissen, internationaler Expertise und partnerschaftlicher Zusammenarbeit hat das Projekt maßgeblich dazu beigetragen, die Kapazitäten im afrikanischen Wassersektor nachhaltig zu stärken und die Personalentwicklung langfristig zu verbessern. Mit der Förderung von Bildung, Capacity Development und internationalem Wissenstransfer hat das Projekt einen direkten Beitrag zu den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen geleistet, insbesondere zum SDG 6 „Sauberes Wasser und Sanitärversorgung für alle“.
Für GWP-Mitglieder eröffnete das AGTIWAS-Projekt neue Chancen für den afrikanischen Markt. Durch die enge Zusammenarbeit mit der AfWASA und der gegründeten Akademie wurde ein Zugang zu einem der dynamischsten Regionen weltweit geschaffen. AWASA wird nicht nur afrikanische Fachkräfte weiterbilden, sondern auch eine Plattform für Wissensaustausch und Netzwerke zwischen afrikanischen und deutschen Partnern bieten.
Das AGTIWAS-Projekt ist ein Paradebeispiel dafür, wie internationale Kooperation einen nachhaltigen Beitrag zur Bewältigung globaler Wasserherausforderungen leisten kann – und wie die deutsche Wasserwirtschaft dabei aktiv mitgestaltet.
